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Claude einrichten

Die Setup Struktur, mit der Claude dich nie wieder vergisst

Montagmorgen, der Kaffee ist noch heiß, du öffnest einen neuen Chat mit Claude und tippst los. Und dann passiert es wieder. Du erklärst, wer du bist. Anschliessend schreibst weiter, was du anbietest. Du erläuterst, dass du niemals Sätze mit Dank unserer innovativen Lösung schreiben willst. Zum vierzehnten Mal. Claude nickt höflich, liefert einen brauchbaren Text, und am Mittwoch beginnt das Spiel von vorn.

Das ist kein Fehler bei dir. Es ist ein Konstruktionsmerkmal. Ein neuer Chat ist wie ein Praktikant am ersten Tag: freundlich, klug, aber ohne jede Ahnung von deinem Geschäft. Die gute Nachricht: Du musst diesen Praktikanten nicht jeden Tag neu einarbeiten. Du brauchst nur einen gut sortierten Ordner.

In diesem Guide zeigen wir dir genau diese Struktur. Sie besteht aus einfachen Textdateien, braucht keine Programmierkenntnisse und ist in ein bis zwei Stunden aufgebaut. Danach kennt dich jeder neue Chat in deinem Projekt, ohne dass du ein Wort erklärst.

Wie richtest du Claude richtig ein?
Lege einen Hauptordner mit drei Bereichen an: Mein Kontext (acht Textdateien über dich, dein Angebot, deine Kunden und deine Stimme), Skills (eine Anleitung pro wiederkehrender Aufgabe plus die Datei gelernt.txt) und ein Ordner pro Projekt (mit einer kurzen stand.txt). Erstelle in Claude ein Projekt, lade die Dateien aus Mein Kontext als Wissen hoch und lass Claude mit einem fertigen Prompt die passende Projektanweisung selbst schreiben. Einmal im Monat arbeitest du die Korrekturen aus gelernt.txt in deine Regeln ein.
Das ist alles.

Was du in diesem Guide lernst

  • Warum Claude dich im neuen Chat vergisst und warum das technisch völlig normal ist
  • Wie die Ordnerstruktur aussieht und welche Datei welchen Zweck erfüllt
  • Was in jede der acht Kontextdateien gehört, mit Beispielen und typischen Fehlern
  • Wie du Skills und die Lerndatei gelernt.txt aufbaust, die dein Setup jede Woche besser machen
  • Wie du ein Claude Projekt anlegst und die Dateien richtig hinterlegst
  • Den vollständigen Prompt, mit dem Claude seine eigene Projektanweisung schreibt
  • Ein durchgespieltes Praxisbeispiel, Fehlerliste, Experten Tipps und eine ausführliche FAQ

Warum Claude dich im neuen Chat vergisst

Bevor wir Ordner bauen, kurz die Mechanik dahinter. Sie zu verstehen spart dir später viel Frust.

Claude arbeitet innerhalb eines Gesprächs mit einem sogenannten Kontextfenster. Stell dir das wie einen Schreibtisch vor: Alles, was darauf liegt, sieht Claude. Deine Nachrichten, die Antworten, hochgeladene Dateien. Beginnt ein neuer Chat, ist der Schreibtisch leergeräumt. Der Praktikant vom Anfang steht wieder im Flur.

Dagegen gibt es inzwischen mehrere Werkzeuge. Claude kann sich je nach Einstellung und Tarif Dinge über dich merken, sogenannte Memory Funktionen, und es gibt Projekte, in denen Dateien und Anweisungen dauerhaft hinterlegt sind. Was genau in deinem Konto verfügbar ist, hängt von deinem Tarif und den aktuellen Einstellungen ab. Prüfe das bei Gelegenheit selbst, denn Anbieter ändern solche Funktionen regelmäßig.

Warum reicht die automatische Erinnerung nicht? Weil sie unscharf ist. Sie speichert, was Claude für wichtig hält, nicht unbedingt das, was du für wichtig hältst. Und du siehst selten genau, was davon im Chat ankommt.

Die Setup Struktur dreht das um. Du entscheidest, was Claude weiß. Schwarz auf weiß, in Dateien, die du lesen, korrigieren und jederzeit austauschen kannst. Das ist der ganze Trick.

Was ist der Vorteil gegenüber einfach nur Memory nutzen?

  • Kontrolle: Du siehst exakt, was Claude über dich weiß
  • Qualität: Du schreibst präzise Regeln statt auf Zufallstreffer zu hoffen
  • Portabilität: Textdateien funktionieren auch in anderen KI Werkzeugen und überleben jeden Tarifwechsel
  • Pflegbarkeit: Eine falsche Zeile änderst du in zehn Sekunden

Die Setup Struktur im Überblick

Du brauchst nur drei Bausteine. Alles Weitere ergibt sich daraus.

OrdnerInhaltWofür er da ist
Mein KontextAcht TextdateienClaude weiß, wer du bist, was du verkaufst und wie du klingst
SkillsEine Datei je Aufgabe plus gelernt.txtClaude weiß, wie du Aufgaben erledigt haben willst und lernt aus Korrekturen
ProjektordnerJe Projekt eine stand.txtClaude weiß, wo ihr beim letzten Mal stehen geblieben seid

Als Dateiformat genügt überall eine einfache Textdatei mit der Endung .txt. Kein Word, kein PDF, keine Formatierung. Reiner Text ist für Claude am leichtesten lesbar und für dich am schnellsten zu ändern.

Die komplette Ordnerstruktur auf einen Blick

  • Hauptordner: liegt irgendwo auf deinem Rechner, etwa unter Dokumente
  • Mein Kontext: regeln.txt, positionierung.txt, angebot.txt, zielgruppe.txt, stimme.txt, ziele.txt, markt.txt, themen.txt
  • Skills: eine Datei pro Aufgabe (zum Beispiel blogartikel.txt, newsletter.txt) und gelernt.txt
  • Projekte: ein Ordner pro Projekt, darin jeweils eine stand.txt

Schritt 1: Der Ordner Mein Kontext

Das ist das Fundament. Acht Dateien, die zusammen beantworten: Wer bist du, was tust du, für wen und wie soll das klingen? Keine Sorge, keine davon muss ein Roman werden. Lieber eine halbe Seite, die stimmt, als fünf Seiten Marketingprosa.

regeln.txt: Die Spielregeln

Hier steht, wie Claude mit dir sprechen soll, was er niemals schreiben darf und welche Aktionen tabu sind. Also Ansprache (du oder Sie), Länge der Antworten, Formatierungswünsche und harte Verbote.

Beispiel: Antworte auf Deutsch. Sprich mich mit du an. Gib zuerst die Antwort, dann die Begründung. Erfinde keine Zahlen, Studien oder Kundenzitate. Frage nach, wenn dir eine Information fehlt, statt zu raten.

Typischer Fehler: Die Datei wird zur Wunschliste mit 40 Punkten. Dann gewichtet Claude nichts mehr richtig. Halte sie unter zwei Dutzend klaren Zeilen.

positionierung.txt: Wofür du stehst

Was unterscheidet dich von allen anderen in deinem Markt? Das ist die Datei, die verhindert, dass Claude dich wie einen austauschbaren Anbieter klingen lässt.

Beispiel: Ich baue Websites für Handwerksbetriebe, die keine Lust auf Agenturgelaber haben. Festpreis, ein Ansprechpartner, live in drei Wochen.

Typischer Fehler: Sätze wie Wir bieten höchste Qualität und besten Service. Das kann jeder von sich behaupten. Schreibe stattdessen etwas, das ein Mitbewerber nicht einfach kopieren könnte.

angebot.txt: Was du verkaufst

Produkt oder Leistung, Preis und das konkrete Ergebnis für den Kunden. Nicht Was du tust, sondern Was hinterher anders ist.

Beispiel: Website Paket Basis, 1.900 Euro, fünf Seiten, Kontaktformular, fertig in drei Wochen. Ergebnis: Der Kunde wird bei Google für seine Stadt und sein Gewerk gefunden und bekommt Anfragen.

Typischer Fehler: Keine Preise hinterlegen, weil sie sich ändern könnten. Dann erfindet Claude im schlimmsten Fall welche. Lieber aktuelle Preise eintragen und beim Preiswechsel die Datei anpassen.

zielgruppe.txt: Wem du hilfst

Wer ist die Person, welches Problem hat sie und was hat sie schon probiert? Der dritte Punkt ist Gold wert, denn er zeigt, wo dein Kunde Misstrauen mitbringt.

Beispiel: Inhaber kleiner Handwerksbetriebe, 40 bis 60 Jahre, haben schon einen Baukasten ausprobiert und aufgegeben, weil ihnen die Zeit fehlte. Sie wollen Kunden, keine Technik.

Typischer Fehler: Alle zwischen 18 und 99. Je genauer das Bild, desto treffsicherer die Texte.

stimme.txt: Wie du klingst

Das ist die wichtigste Datei für alle, die Texte schreiben lassen. Lege zwei bis drei deiner besten eigenen Texte hinein, also Texte, die wirklich nach dir klingen, plus eine Liste verbotener Wörter.

Warum Beispieltexte? Weil Claude Stil besser nachahmt, als er ihn aus Beschreibungen ableitet. Wer sagt locker, aber professionell, bekommt irgendetwas in der Mitte. Wer drei echte Texte zeigt, bekommt seinen eigenen Ton zurück.

Beispiel für verbotene Wörter: Gamechanger, revolutionär, in der heutigen schnelllebigen Welt, tauchen wir ein, nahtlos, ganzheitlich.

Typischer Fehler: Texte hineinkopieren, die eigentlich von einem Ghostwriter oder einer früheren KI stammen. Dann lernt Claude deren Ton, nicht deinen.

ziele.txt: Wohin es geht

Was willst du in den nächsten zwölf Monaten erreichen, und zwar in Zahlen? So kann Claude Vorschläge danach bewerten, ob sie dich deinem Ziel näher bringen.

Beispiel: Zwölf neue Website Kunden, 500 Newsletter Abonnenten, 2.000 Euro monatlicher wiederkehrender Umsatz durch Wartungsverträge.

Typischer Fehler: Mehr Reichweite, mehr Umsatz, mehr Erfolg. Ohne Zahl lässt sich nichts priorisieren.

markt.txt: Dein Umfeld

Deine 15 wichtigsten Mitbewerber und das, was sie inhaltlich machen. Claude erkennt dadurch Lücken und kann dich bewusst abgrenzen.

Beispiel: Anbieter A schreibt nur technische Anleitungen ohne Preise. Anbieter B setzt stark auf Video, hat aber kaum Blogtexte. Anbieter C ist günstig, aber ohne Persönlichkeit.

Typischer Fehler: Nur Namen auflisten. Der Wert steckt im zweiten Teil, in der Einschätzung, was der jeweilige Mitbewerber tut und was er auslässt.

themen.txt: Dein Revier

Die drei bis fünf Themen, über die du überhaupt sprichst, mit Unterthemen. Und das ist mindestens genauso wichtig: Worüber du bewusst nicht sprichst.

Beispiel: Hauptthemen: Websites für Handwerker, lokale Suchmaschinenoptimierung, Wartung. Nicht dazu gehören: Krypto, Online Shops, Social Media Strategie.

Typischer Fehler: Zehn Themen. Dann ist es kein Revier, sondern ein Gemischtwarenladen.

Wie lang sollen die Dateien sein?

Eine ehrliche Antwort ohne magische Zahl: so kurz wie möglich, so lang wie nötig. Als Faustregel sind eine halbe bis eine ganze Seite pro Datei ein guter Bereich. Beispieltexte in stimme.txt dürfen länger sein. Wichtiger als die Länge ist, dass jeder Satz etwas enthält, das Claude sonst nicht wüsste.

Schritt 2: Der Ordner Skills und die Datei gelernt.txt

Ein Skill ist in diesem Setup nichts Kompliziertes: eine Textdatei, die beschreibt, wie eine bestimmte, wiederkehrende Aufgabe bei dir ablaufen soll. Wie du einen Artikel aufbaust. Auch wie dein Newsletter aussieht. Sowie, wie deine Angebote formuliert sind.

Lege für jede Aufgabe, die bei dir regelmäßig vorkommt, eine Datei an. Nicht für alles, sondern nur für das, was du mindestens einmal im Monat tust.

Was in einen Skill gehört

  • Das Ziel der Aufgabe in einem Satz
  • Die Schritte in der Reihenfolge, in der du sie gehen würdest
  • Das gewünschte Ausgabeformat, zum Beispiel Länge, Aufbau, Überschriften
  • Ein gutes Beispiel, wenn du eines hast
  • Was bei dieser Aufgabe immer schiefgeht und wie Claude es vermeidet

Ein Hinweis zur Begriffsklärung

Claude selbst hat inzwischen ein eigenes Skills Feature mit technisch aufgebauten Paketen. Was wir hier meinen, ist bewusst einfacher: Textanleitungen, die du selbst schreibst und in dein Projekt legst. Beides kann nebeneinander existieren. Für den Einstieg brauchst du nur die einfache Variante.

gelernt.txt: Der Teil, den fast niemand pflegt

Jetzt kommt die unscheinbarste Datei mit der größten Wirkung. In gelernt.txt wandert jede Korrektur, die du machst. Was hat funktioniert, was nicht.

Warum ist das so stark? Weil du sonst denselben Fehler jede Woche neu korrigierst. Steht er in der Datei, hast du ihn einmal korrigiert und nie wieder.

Beispiel für Einträge:

  • Einleitungen mit einer Frage an den Leser funktionieren bei mir besser als Einleitungen mit einer Statistik
  • Überschriften nie länger als 60 Zeichen
  • Claude schreibt zu oft Zusammenfassend lässt sich sagen. Weglassen.
  • Preisangaben immer mit Hinweis auf netto oder brutto

Jeder Eintrag ist ein Satz. Kein Aufsatz, kein Protokoll. Schreib ihn sofort auf, wenn du ihn bemerkst, denn in einer Woche hast du ihn vergessen.

Schritt 3: Ein Ordner pro Projekt mit stand.txt

Projekte haben einen Vorteil und ein Problem. Der Vorteil: Du arbeitest oft über Wochen daran. Das Problem: Claude weiß im nächsten Chat nicht mehr, wo ihr aufgehört habt.

Die Lösung ist winzig. Lege in jeden Projektordner eine Datei stand.txt mit zwei Sätzen: Wo steht das Projekt gerade und was kommt als Nächstes?

Beispiel: Der Blogartikel über lokale Suche ist bis Kapitel drei geschrieben, Kapitel vier und fünf fehlen noch. Nächster Schritt: Fehlerliste ausarbeiten, dann die FAQ.

Am Ende jeder Arbeitssitzung bittest du Claude: Formuliere mir den aktuellen Stand in zwei Sätzen. Kopiere sie in die Datei. Zehn Sekunden, die dir beim nächsten Mal zehn Minuten Wiedereinstieg sparen.

Schritt 4: Die Dateien in Claude hinterlegen

Jetzt bringst du alles dorthin, wo Claude es lesen kann. Die Bezeichnungen in der Oberfläche ändern sich gelegentlich, das Prinzip bleibt aber gleich.

SchrittWas du tust
1.Öffne Claude und wähle den Bereich Projekte
2.Lege ein neues Projekt an und gib ihm einen klaren Namen, zum Beispiel den Namen deines Unternehmens
3.Lade die acht Dateien aus Mein Kontext als Projektwissen hoch
4.Trage die Projektanweisung ein (die bauen wir im nächsten Schritt)
5.Starte einen neuen Chat innerhalb des Projekts und teste mit einer echten Aufgabe

Ab diesem Moment kennt jeder neue Chat in diesem Projekt deinen Kontext. Es ist wie ein Büro, in dem die Akten schon im Regal stehen.

Was ist der Unterschied zwischen Projektwissen und Projektanweisung?

Das Projektwissen sind deine Dateien, also das, was Claude nachschlagen kann. Die Projektanweisung ist eine kurze Gebrauchsanleitung, die Claude in jedem Chat befolgt und die ihm sagt, welche Datei er wofür nutzt und wie er arbeitet. Wissen ist die Bibliothek, Anweisung ist die Hausordnung.

Schritt 5: Der Prompt für deine Projektanweisung

Die Projektanweisung schreibst du nicht selbst. Das klingt bequem, hat aber einen handfesten Grund: Claude weiß am besten, in welcher Form er Anweisungen am zuverlässigsten befolgt. Du lieferst die Rohstoffe, er baut daraus seine eigene Arbeitsanleitung.

So gehst du vor: Lade deine Dateien in einen neuen Chat, kopiere den folgenden Prompt hinein und lass Claude die Anweisung für sich selbst bauen. Das Ergebnis trägst du anschließend in deinem Projekt unter Anweisungen ein.

Kopiere alles innerhalb dieses Blocks:
ROLLE
Du bist ein erfahrener Architekt für KI Arbeitsumgebungen. Über hundert Selbstständige hast du bereits aus der Lage befreit, ihrer KI täglich dasselbe neu erklären zu müssen. Deine Aufgabe jetzt: Du liest meine angehängten Dateien und schreibst daraus die Projektanweisung, nach der du selbst künftig in diesem Projekt arbeitest.

ABLAUF IN DREI PHASEN
Gehe die Phasen strikt nacheinander durch und beginne die nächste erst, wenn die vorherige abgeschlossen ist.

PHASE 1: Rückfragen
Stelle höchstens sieben Fragen.
Frage nur nach dem, was in meinen Dateien NICHT steht. Wissenslücken interessieren dich, Bekanntes nicht.
Schicke alle Fragen gesammelt und nummeriert in einer einzigen Nachricht.
Warte danach auf meine Antworten, bevor du weitermachst.

PHASE 2: Analyse vor dem Schreiben
Fasse deine Erkenntnisse in höchstens zehn Zeilen zusammen:
Wer ich bin
Wem ich helfe
Was ich verkaufe
Wie ich klinge

Benenne anschließend:
Die drei Formulierungsmuster, die in meinen eigenen Texten am häufigsten auftauchen
Die drei Merkmale, an denen man einen KI Text von mir auf den ersten Blick erkennen würde
Den einen Punkt, an dem meine Angaben widersprüchlich oder zu ungenau sind, samt klarer Aussage, was du an meiner Stelle konkretisieren würdest

PHASE 3: Die Projektanweisung
Verfasse sie in der zweiten Person und richte sie an dich selbst. Verwende genau diese neun Abschnitte in dieser Reihenfolge:
Rolle: Wer du in diesem Projekt für mich bist, in zwei Sätzen.
Wissensdatenbank: Welche meiner Dateien du für welchen Zweck nutzt.
Wer ich bin und wem ich helfe.
Meine Themen, einschließlich dessen, was ausdrücklich nicht dazugehört.
Meine Stimme: Satzlänge, Ansprache und erlaubte Umgangssprache.
Verbotene Formulierungen: Eine Liste, abgeleitet aus meinen eigenen Texten.
Verbotene Aktionen: Was du niemals auf eigene Faust tust.
Arbeitsweise im Chat: In welchen Fällen du nachfragst, statt zu raten.
Selbst Check: Drei Fragen, die du dir vor jeder Ausgabe selbst stellst.

QUALITÄTSREGELN FÜR DAS ERGEBNIS
Länge: höchstens eine Seite.
Ton: keine Marketing Sprache, jeder Satz ist eine klare Anweisung.
Ehrlichkeit: Erfinde keine Fakten, Zahlen oder Erfolge über mich.
Lücken: Was nicht in meinen Dateien steht, lässt du weg oder erfragst du.
Ausgabe: Liefere die fertige Anweisung am Ende als einen zusammenhängenden Block, den ich in einem Stück kopieren kann.

Warum dieser Prompt funktioniert

Er arbeitet in drei Phasen, und jede hat einen Sinn.

  • Phase 1, Klärung: Claude fragt nur, was in deinen Dateien fehlt. Das verhindert, dass du Bekanntes wiederholst, und deckt Lücken auf, die dir selbst nicht aufgefallen sind.
  • Phase 2, Analyse: Claude fasst zusammen, was er verstanden hat, benennt deine typischen Formulierungsmuster und zeigt dir einen Widerspruch in deinen Angaben. Du siehst also, bevor irgendetwas geschrieben wird, ob er dich richtig verstanden hat.
  • Phase 3, die Anweisung: Sie hat eine feste Reihenfolge, maximal eine Seite und ausdrücklich das Verbot, Fakten zu erfinden.

Der letzte Punkt ist aus Gründen der Ehrlichkeit besonders wichtig. KI Modelle füllen Lücken gern mit plausibel klingenden Details. Die Regel Steht etwas nicht in meinen Dateien, lässt du es weg oder fragst nach bremst genau das.

Was tun, wenn die Anweisung nicht passt?

Lies sie in Ruhe durch, bevor du sie einträgst. Stimmt etwas nicht, sag es Claude direkt im selben Chat: Ändere Punkt sechs, in meinen Texten kommt das Wort unbedingt nie vor. Dann kopierst du die überarbeitete Fassung. Die Anweisung ist dein Dokument, nicht seins.

Schritt 6: Einmal im Monat pflegen

Mehr Pflege braucht das Setup nicht. Plane dir einmal im Monat fünfzehn Minuten ein:

  • Öffne gelernt.txt und suche nach Korrekturen, die sich wiederholen
  • Gehören sie zu den Spielregeln? Dann wandern sie in regeln.txt
  • Betreffen sie Wortwahl oder Ton? Dann gehören sie in stimme.txt
  • Streiche erledigte oder veraltete Einträge aus gelernt.txt
  • Lade die geänderten Dateien im Projekt neu hoch

Der Effekt ist schleichend, aber gewaltig. Nach drei Monaten schreibt Claude spürbar mehr wie du, weil jede Woche ein Stück Feinschliff eingeflossen ist.

Praxisbeispiel: So sieht das bei Mara aus

Damit das nicht abstrakt bleibt, hier ein erfundenes Beispiel, das die Struktur in Aktion zeigt. Mara ist Hochzeitsfotografin und schreibt selbst ihre Blogartikel und Kundenmails. Die Zahlen und Namen sind ausgedacht, der Ablauf ist aber typisch.

Ausgangslage

Mara nutzt Claude seit Monaten. Jede Anfrage beginnt mit drei Absätzen Erklärung. Die Texte klingen trotzdem nach Katalog: emotional, überladen, voller Augenblicke voller Liebe. Das ist genau der Ton, den sie hasst.

Was sie einrichtet

  • regeln.txt: Du, kurze Sätze, keine Ausrufezeichen, keine erfundenen Kundenzitate
  • positionierung.txt: Reportagefotografie ohne Posen, ehrlich statt kitschig
  • angebot.txt: Drei Pakete mit aktuellen Preisen und dem, was der Kunde hinterher in der Hand hat
  • stimme.txt: Zwei ihrer besten Blogtexte plus verbotene Wörter wie magisch, traumhaft, schönster Tag im Leben
  • skills: Eine Datei blogartikel.txt, eine Datei kundenmail.txt
  • gelernt.txt: Startet leer und wächst

Was sich ändert

Mara gibt im Projekt die Aufgabe: Schreibe einen Blogartikel über Hochzeiten im Herbst. Kein Vorwort, keine Erklärung. Der erste Entwurf klingt schon nach ihr. Nicht perfekt, aber sie muss nur noch feilen statt neu schreiben. Die zwei Stellen, die ihr nicht gefallen, landen in gelernt.txt. Beim nächsten Artikel tauchen sie nicht mehr auf.

Das Entscheidende: Nach dem zweiten Monat hat Mara mehr Zeit gespart, als der Aufbau gekostet hat. Bei einem Setup wie diesem ist das der typische Verlauf, auch wenn die tatsächliche Ersparnis natürlich von deiner Nutzung abhängt.

Für wen lohnt sich das und für wen nicht?

Ehrlich gesagt lohnt sich dieser Aufwand nicht für jeden. Hier die nüchterne Bilanz.

VorteileNachteile
Du erklärst dich nur einmalDer Aufbau kostet am Anfang ein bis zwei Stunden
Texte klingen deutlich mehr nach dirDie Dateien müssen gepflegt werden, sonst veralten sie
Du behältst die Kontrolle über das Wissen von ClaudeSchlechte Dateien führen zu schlechten Ergebnissen
Textdateien sind portabel und tarifunabhängigClaude kann trotz allem Fehler machen und Regeln übersehen

Es lohnt sich, wenn du Claude regelmäßig nutzt, zum Beispiel für Texte, Kundenkommunikation, Recherche oder Planung, und wenn du mit einem wiederkehrenden Geschäftskontext arbeitest.

Es lohnt sich eher nicht, wenn du Claude nur gelegentlich für einzelne, völlig unterschiedliche Fragen nutzt. Dann reicht ein guter Prompt im Chat.

Häufige Fehler und wie du sie vermeidest

Fehler 1: Die Dateien sind zu lang

Wer alles hineinpackt, verwässert das Wichtige. Kürze gnadenlos. Frage dich bei jedem Satz: Würde Claude etwas Wesentliches verpassen, wenn er fehlt?

Fehler 2: Leere Floskeln statt Fakten

Sätze wie Qualität steht bei uns an erster Stelle helfen niemandem. Schreibe konkret: Zahlen, Preise, Fristen, Beispiele.

Fehler 3: Die Stimme wird beschrieben statt gezeigt

Adjektive wie locker, nahbar, professionell sind dehnbar. Zwei echte Textproben sind es nicht. Zeig Claude deinen Stil.

Fehler 4: Keine Verbote

Was Claude nicht tun soll, ist oft wichtiger als das, was er tun soll. Verbotene Wörter und verbotene Aktionen gehören in die Dateien.

Fehler 5: gelernt.txt wird vergessen

Der häufigste Fehler überhaupt. Viele bauen das Setup, pflegen es nie und wundern sich, warum es stagniert. Lege dir eine feste Erinnerung im Kalender an.

Fehler 6: Veraltete Informationen

Der Preis hat sich geändert, das Angebot auch, aber die Datei nicht. Dann arbeitet Claude sauber mit falschen Daten. Nach jeder größeren Änderung im Geschäft gehst du die Dateien einmal durch.

Fehler 7: Sensible Daten in den Dateien

Passwörter, Zugangsdaten, Kundenlisten mit Namen und Adressen oder vertrauliche Verträge gehören nicht in dein Projektwissen. Schreibe allgemein statt personenbezogen: Typische Kunden sind Handwerksbetriebe mit bis zu zehn Mitarbeitern, nicht die Kundenliste selbst. Prüfe außerdem die Datenschutzeinstellungen deines Tarifs und, wenn du mit Kundendaten arbeitest, die Vorgaben der DSGVO.

Fehler 8: Die Antwort wird blind übernommen

Auch mit dem besten Setup ist Claude kein Orakel. Prüfe Fakten, Zahlen und rechtliche Aussagen immer selbst nach. Das Setup macht Claude passender, nicht unfehlbar.

Fehler 9: Zu früh aufgegeben

Die ersten Ergebnisse sind selten perfekt. Das ist normal und gehört dazu. Jede Korrektur, die du in gelernt.txt festhältst, macht das nächste Ergebnis besser.

Tipps mit hohem Nutzwert

Tipp 1, Beginne klein. Starte mit regeln.txt, stimme.txt und angebot.txt. Diese drei Dateien bringen den größten Effekt. Die anderen fünf ergänzt du in den Folgewochen.
Tipp 2, Nutze den Interview Trick. Wenn dir beim Schreiben der Dateien nichts einfällt, bitte Claude: Stell mir zehn Fragen, damit ich meine Positionierung klar formulieren kann. Beantworte sie und lass ihn die Antworten zu einem Entwurf verdichten.
Tipp 3, Schreibe Regeln als Anweisungen. Nicht: Ich mag keine langen Sätze. Sondern: Schreibe Sätze mit maximal 20 Wörtern. Jede Regel, die Claude direkt befolgen kann, funktioniert zuverlässiger als eine Stimmung.
Tipp 4, Gib Gegenbeispiele. Zeige nicht nur einen guten Satz, sondern auch einen schlechten und erkläre den Unterschied. Das schärft Claudes Gespür enorm.
Tipp 5, Teste mit einer echten Aufgabe. Nach dem Aufbau gibst du Claude sofort eine Aufgabe, die du wirklich brauchst. Die Mängel im Setup zeigen sich dann innerhalb von Minuten.
Tipp 6, Versioniere deine Dateien. Hänge ein Datum an den Dateinamen oder lege einen Unterordner Alt an. So kannst du zurückgehen, wenn eine Änderung nach hinten losgeht.
Tipp 7, Eine Datei, ein Zweck. Mische nichts. Wenn Preise in der Positionierung stehen, findest du sie beim Aktualisieren nicht mehr. Tipp 8, Lass Claude die Dateien gegenlesen. Bitte ihn gelegentlich: Finde Widersprüche zwischen meinen Dateien. Das deckt schnell auf, wo etwa Angebot und Positionierung nicht mehr zusammenpassen.

Typische Missverständnisse

  • Mehr Dateien bedeuten bessere Ergebnisse. Falsch. Präzise und aktuelle Dateien schlagen große und unscharfe.
  • Das Setup ersetzt mein Denken. Falsch. Es spart Erklärarbeit, nicht Urteilsvermögen.
  • Einmal einrichten und fertig. Falsch. Ohne die monatliche Pflege läuft das Setup auf dem Stand von heute fest.
  • Nur für Texte nützlich. Falsch. Ob Recherche, Angebote, Kundenmails oder Planung: Überall, wo Claude deinen Kontext kennen sollte, hilft die Struktur.
  • Man braucht technisches Wissen. Falsch. Wenn du einen Texteditor öffnen kannst, kannst du das Setup bauen.

Häufige Fragen zur Claude Einrichtung

Wie richte ich Claude richtig ein?

Lege einen Hauptordner mit den Bereichen Mein Kontext, Skills und Projektordner an. Erstelle in Claude ein Projekt, lade die Kontextdateien hoch und trage eine Projektanweisung ein, die Claude mit dem Prompt aus diesem Guide selbst schreibt. Ergänze einmal im Monat die Lerndatei gelernt.txt.

Was ist ein Claude Projekt?

Ein Projekt ist ein eigener Arbeitsbereich in Claude, in dem du Dateien als Wissen und eine Anweisung hinterlegen kannst. Jeder neue Chat in diesem Projekt greift darauf zu. So musst du deinen Kontext nicht jedes Mal neu erklären.

Was gehört in eine Claude Projektanweisung?

Die Rolle, die Claude für dich einnimmt, welche Dateien er wofür nutzt, wer du bist, deine Themen, deine Stimme, verbotene Formulierungen und Aktionen, die Arbeitsweise bei Unklarheiten und ein kurzer Selbst Check. Genau diese neun Punkte erzeugt der Prompt in Schritt 5.

Was ist der Unterschied zwischen Projektanweisung und Projektwissen?

Das Projektwissen sind deine hochgeladenen Dateien, die Claude nachschlagen kann. Die Projektanweisung ist die kurze Arbeitsanleitung, die in jedem Chat gilt. Wissen ist die Bibliothek, die Anweisung ist die Hausordnung.

Merkt sich Claude Dinge dauerhaft?

Das hängt von Tarif und Einstellungen ab. Claude bietet Memory Funktionen, die Inhalte aus früheren Chats berücksichtigen können. Verlassen solltest du dich darauf nicht allein, weil du nicht genau steuerst, was gespeichert wird. Die Setup Struktur gibt dir Kontrolle, weil du das Wissen in eigenen Dateien selbst festlegst.

Wie viele Dateien kann ich hochladen?

Die Grenzen für Dateigröße und Anzahl unterscheiden sich je nach Tarif und ändern sich. Schau in die aktuelle Hilfe von Anthropic. Für dieses Setup spielt das kaum eine Rolle, denn acht kurze Textdateien sind winzig. Wenn du an Grenzen stößt, hast du vermutlich zu viel Text hinterlegt.

Brauche ich dafür ein bezahltes Abo?

Welche Funktionen in welchem Tarif verfügbar sind, ändert sich mit der Zeit. Ob Projekte in deinem Konto freigeschaltet sind, siehst du direkt in der Oberfläche. Die Ordnerstruktur und die Textdateien kannst du unabhängig davon anlegen und dann im Chat verwenden.

Was ist der Unterschied zwischen einem Skill in diesem Setup und Claude Skills?

In diesem Guide ist ein Skill eine selbst geschriebene Textanleitung für eine wiederkehrende Aufgabe. Claude Skills sind dagegen ein eigenes technisches Feature mit strukturierten Paketen. Für den Einstieg reichen die einfachen Textskills völlig aus.

Funktioniert die Struktur auch mit ChatGPT oder Gemini?

Das Prinzip ja. Reine Textdateien lassen sich in vielen KI Werkzeugen hochladen oder einfügen. Die Bezeichnungen und Funktionen unterscheiden sich, aber dein Kontext bleibt portabel. Das ist einer der größten Vorteile von einfachem Text.

Was gehört nicht in die Dateien?

Passwörter, Zugangsdaten, Zahlungsdaten, Kundenlisten mit Namen und Adressen und vertrauliche Verträge. Schreibe allgemein statt personenbezogen. Bei Kundendaten beachte die DSGVO.

Wie lange dauert der Aufbau?

Plane für den Erstaufbau ein bis zwei Stunden ein, je nachdem wie viel Material du schon hast. Das ist eine grobe Schätzung. Wer schon Texte und Preislisten parat hat, ist schneller fertig.

Wie oft muss ich die Dateien aktualisieren?

Einmal im Monat schaust du in gelernt.txt und arbeitest wiederkehrende Korrekturen ein. Zusätzlich aktualisierst du Dateien sofort, wenn sich Preise, Angebote oder Ziele ändern.

Was tun, wenn Claude Regeln ignoriert?

Prüfe zuerst, ob die Regel klar und als Anweisung formuliert ist. Vage Wünsche werden häufiger übersehen als klare Verbote. Wiederhole die Regel in der Projektanweisung und erinnere Claude im Chat kurz daran. Wenn es dauerhaft hakt, kürze die Dateien, denn zu viel Text macht einzelne Regeln unsichtbar.

Dein Start in den nächsten 30 Minuten

Du musst nicht alles heute bauen. Aber du kannst heute anfangen.

  • Minute 1 bis 5: Lege den Hauptordner und die Unterordner Mein Kontext und Skills an
  • Minute 5 bis 15: Schreibe regeln.txt und angebot.txt, jeweils eine halbe Seite
  • Minute 15 bis 25: Kopiere zwei deiner besten eigenen Texte in stimme.txt und ergänze eine Liste verbotener Wörter
  • Minute 25 bis 30: Lege gelernt.txt als leere Datei an und trage dir einen Kalendereintrag für die monatliche Pflege ein

Den Rest ergänzt du in den kommenden Tagen. Und dann, vielleicht schon nächsten Montag, öffnest du einen neuen Chat, gibst eine Aufgabe ein und Claude legt einfach los. Ohne Vorrede. Ohne den vierzehnten Erklärversuch. Genau so soll sich das anfühlen.

Dreamcodes Redaktion
Dreamcodes Redaktion
Jeder Inhalt auf Dreamcodes entsteht mit einem klaren Anspruch: geprüfte Praxis statt schneller Theorie. Was hier veröffentlicht wird, basiert auf Best Practices, echten Projekterfahrungen und technischem Verständnis, das über das Offensichtliche hinausgeht. Unser Ziel ist ein Fundament, auf dem du aufbauen kannst, nicht eines, das beim ersten produktiven Einsatz bricht. Wie du die Inhalte integrierst, absicherst und in deinen Kontext überträgst, liegt bei dir. Die fachliche Grundlage liefern wir, die Verantwortung für den Einsatz bleibt deine.

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