Hast du jemals eine Datei heruntergeladen, die von einer seltsamen kleinen Textdatei namens README.nfo begleitet wurde? Du hast sie mit einem Doppelklick geöffnet und … nichts als Zeichensalat gesehen? Willkommen im Club. Du hast gerade dein erstes digitales Fossil entdeckt. Aber lass dich nicht täuschen: Hinter der Dateiendung .nfo (kurz für „Information“) verbirgt sich eine der charmantesten Subkulturen der Computergeschichte.
1. Was zur Hölle ist das eigentlich?
Im Grunde ist eine .nfo Datei eine einfache Textdatei. Aber eben mit Star Allüren. Ursprünglich wurden sie in der Warez und Demoszene der 80er und 90er Jahre geboren. Wenn eine Gruppe von Programmierern (die „Release Groups“) etwas veröffentlichte, war die .nfo Datei ihre Visitenkarte.
Statt langweiliger Handbücher gab es hier:
- Credits: Wer hat’s programmiert? Wer hat das Design gemacht?
- Grüße: „Shoutouts“ an befreundete Gruppen (und dezente Beleidigungen an die Rivalen).
- Technische Daten: Wie installiert man das Ganze?
2. Das Auge liest mit: ASCII Art
Das Besondere an .nfo Dateien ist nicht was drinsteht, sondern wie es aussieht. Da es damals keine schicken JPEGs oder PDFs gab, nutzten die Künstler die Standard Zeichen des PCs, um Logos und Bilder zu bauen.
Das nennt man ASCII Art. Mit Block-Zeichen, Strichen und Punkten entstanden riesige, dreidimensionale Schriftzüge und Porträts.
Wenn du eine .nfo Datei im Windows Editor öffnest, sieht sie oft kaputt aus. Das liegt daran, dass Windows eine moderne Schriftart nutzt. Profis nutzen spezielle NFO Viewer oder stellen die Schriftart auf „Terminal“ oder „Lucida Console“ um, damit die Proportionen stimmen.
3. Warum wir sie heute noch lieben
Heute, im Zeitalter von 4K Streaming und High Res Grafiken, wirken .nfo Dateien wie ein handgeschriebener Brief in einer Welt voller eMails. Sie versprühen diesen rohen, rebellischen Underground Vibe.
Hier ist eine kleine Tabelle, warum diese Relikte überlebt haben:
| Feature | Warum es cool ist |
| Größe | Meist nur wenige Kilobyte. Effizienz pur! |
| Stil | Jede Gruppe hatte ihren eigenen visuellen Fingerabdruck. |
| Nostalgie | Es erinnert an die Zeit der BBS-Mailboxen und Disketten-Tausches. |
| Klartext | Keine versteckten Tracker, keine Werbung, nur Information. |
4. Der „Geheimcode“: So liest du sie richtig
Wenn du eine .nfo-Datei wie ein echter Hacker (oder zumindest wie jemand, der weiß, was er tut) öffnen willst, hier ist dein Fahrplan:
- Nicht Doppelklicken: Windows denkt oft, es sei eine „Systeminformationsdatei“. Rechtsklick -> Öffnen mit -> Notepad (Editor).
- Schriftart checken: Stelle sicher, dass eine nicht proportionale Schriftart (Monospace) eingestellt ist. Jedes Zeichen muss exakt gleich breit sein, sonst bricht das ASCII Kunstwerk zusammen.
- Die Musik im Kopf: Echte Szenen Veteranen hören beim Lesen fast schon den typischen Chiptune-Soundtrack im Hintergrund.
Und jetzt du!
Die .nfo Datei ist das digitale Graffiti unserer Zeit. Sie ist funktional, künstlerisch und ein bisschen mysteriös. Wenn du das nächste Mal über eine stolperst, lösche sie nicht einfach. Öffne sie, lehne dich zurück und genieße die Text Kunst einer vergangenen (aber nicht vergessenen) Ära.
