Montag, 26 Januar 2026

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Vertiefendes Material

Kompendium des Printdesigns

Printdesigns für Markenmacher

In einer Welt, die immer digitaler wird, ist das Haptische der neue Luxus. Ein perfekt produziertes Print Produkt ist ein Statement. Es sagt: „Wir sind echt. Wir bleiben.“ Doch zwischen dem brillanten Entwurf auf deinem Monitor und dem fertigen Druckprodukt liegt ein Minenfeld aus Fachbegriffen und technischen Fallstricken.

Wer im Corporate Design mitreden will, muss die Sprache der Druckerei beherrschen. Ich habe für dich die wichtigsten 90 Begriffe zusammengetragen und sie so aufbereitet, dass du nicht nur verstehst, was sie bedeuten, sondern wie du sie strategisch für deinen Erfolg einsetzt.

Layout und Dimensionen

1. Abfallend

Wenn wir im Design von „abfallend“ sprechen, meinen wir Elemente, die über den Rand des fertigen Papiers hinausgehen sollen. Das können vollflächige Hintergrundfarben, stimmungsvolle Fotos oder grafische Linien sein, die das Layout dynamisch wirken lassen. Technisch gesehen müssen diese Elemente zwingend in den Anschnittbereich hineinragen, damit sie beim späteren Beschneiden des Papierbogens sauber mit der Kante abschließen. Ohne diese Vorkehrung riskieren wir unschöne weiße Ränder, die das gesamte Erscheinungsbild ruinieren könnten. In der professionellen Druckvorstufe ist die korrekte Anlage abfallender Objekte eines der ersten Prüfkriterien beim Preflight.

2. Anschnitt

Der Anschnitt ist die Lebensversicherung für jedes saubere Druckprodukt. In der Regel legen wir hierfür einen Bereich von 3 Millimetern um das eigentliche Endformat fest. Dieser Puffer gleicht minimale Schneidetoleranzen aus, die in der Druckweiterverarbeitung physikalisch unvermeidbar sind. Wenn eine Schneidemaschine auch nur einen Bruchteil eines Millimeters danebenliegt, sorgt der Anschnitt dafür, dass das Motiv trotzdem bis zur Kante reicht. Jedes professionelle Layoutprogramm wie InDesign bietet hierfür eigene Exporteinstellungen an. Wer den Anschnitt vergisst, liefert Daten, die für den hochwertigen Offsetdruck schlicht unbrauchbar sind.

3. Ausschießen

Das Ausschießen ist der Prozess, bei dem digitale Einzelseiten auf einem großen Druckbogen so angeordnet werden, dass sie nach dem Falzen in der richtigen Reihenfolge stehen. Man kann sich das wie ein komplexes Puzzle vorstellen, das die Druckerei für uns löst. Dabei stehen manche Seiten auf dem Kopf oder liegen weit voneinander entfernt, was für Laien oft völlig unlogisch wirkt. Erst wenn der Bogen durch die Falzmaschine läuft, offenbart sich die Magie der korrekten Seitenzahl Logik. Für Magazine oder Bücher ist dieser Schritt essenziell, um die Produktion wirtschaftlich und technisch machbar zu gestalten. Ohne korrektes Ausschießen gäbe es keine mehrseitigen Broschüren.

4. Beschnittzugabe

Oft wird die Beschnittzugabe synonym zum Anschnitt verwendet, doch sie beschreibt explizit den technischen Mehrwert an Platz. Stell dir vor, du gestaltest eine Visitenkarte im Format 85 x 55 mm; inklusive Beschnittzugabe misst deine Arbeitsdatei dann 91 x 61 mm. Dieser zusätzliche Raum wird nach dem Druckvorgang von den Messern der Schneidemaschine gnadenlos entfernt. Er dient ausschließlich dazu, die industrielle Fertigung sicher und fehlerfrei zu gestalten. In deinem PDF Export musst du sicherstellen, dass die Schnittmarken außerhalb dieses Bereichs liegen. Nur so weiß der Buchbinder exakt, wo er die Klinge ansetzen muss, um dein Design perfekt zu befreien.

5. Blitzer

Blitzer sind der Albtraum jedes Grafikers und entstehen meist durch mangelnde Sorgfalt in der Druckvorstufe. Es handelt sich dabei um extrem schmale, weiße Streifen an den Rändern eines Druckobjekts, die dort eigentlich nicht hingehören. Sie treten auf, wenn das Papier beim Schneiden minimal verrutscht und kein ausreichender Anschnitt vorhanden war. Auch bei zwei aneinandergrenzenden Farbflächen können Blitzer entstehen, wenn diese nicht korrekt überfüllt wurden. In einem hochwertigen Corporate Design wirken solche Fehler wie billige Bastelarbeit. Um sie zu vermeiden, nutzen wir Techniken wie das Überfüllen oder großzügige Beschnittzugaben.

6. Bundsteg

Der Bundsteg bezeichnet den inneren Rand einer Seite, also den Bereich, an dem die Blätter zusammengeheftet oder geklebt werden. Besonders bei dicken Büchern oder Magazinen mit Klebebindung verschwindet ein Teil dieses Randes in der Krümmung der Bindung. Wenn du dort Text oder wichtige Bilddetails platzierst, werden diese für den Leser unlesbar oder schlicht unsichtbar. Erfahrene Gestalter planen daher einen deutlich breiteren Innenrand ein als an den Außenkanten. Man spricht hierbei oft auch vom „Sicherheitsabstand zur Bindung“. Ein gut kalkulierter Bundsteg sorgt dafür, dass die Doppelseiten harmonisch und offen wirken, anstatt in der Mitte „zusammengequetscht“ zu werden.

7. DIN-Formate

Die Welt der Papierformate wird in Deutschland und weiten Teilen Europas durch die DIN 476 geregelt. Die bekannteste Reihe ist die A Serie, die beim riesigen A0 beginnt und durch fortlaufendes Halbieren zum handlichen A4 oder A8 führt. Das geniale an diesem System ist das konstante Seitenverhältnis von eins zu Wurzel aus zwei. Egal wie oft man das Papier faltet, die Proportionen bleiben immer identisch. Das spart nicht nur Verschnitt in der Papierfabrik, sondern erleichtert auch das Skalieren von Layouts enorm. Für uns im Corporate Design bieten DIN-Formate eine verlässliche Basis für Briefbögen, Flyer und Plakate.

8. Druckbogen

Ein Druckbogen ist das rohe Medium, das durch die Druckmaschine rast, bevor es zu deinem fertigen Produkt verarbeitet wird. Er ist meist um ein Vielfaches größer als dein eigentliches Design, damit die Maschine effizient arbeiten kann. Auf einem einzigen Bogen können zum Beispiel 16 Seiten eines Magazins oder 50 Visitenkarten gleichzeitig Platz finden. Die Größe des Bogens richtet sich nach der Kapazität der Druckmaschine, wobei Formate wie 70 x 100 cm im Offsetdruck weit verbreitet sind. Nach dem Farbauftrag muss der Bogen oft trocknen, bevor er in die Weiterverarbeitung geht. Er ist das Zwischenstadium zwischen der digitalen Datei und dem haptischen Endprodukt.

9. Endformat

Das Endformat ist das Ziel deiner Reise, die exakten Abmessungen, die dein Kunde am Ende in den Händen hält. Wenn wir von einem Flyer in DIN lang sprechen, ist das Endformat 105 x 210 mm. Alles, was du in deiner Software gestaltest, muss auf dieses Maß hinarbeiten, auch wenn die Arbeitsdatei durch den Anschnitt zunächst größer wirkt. Im fertigen PDF sind es die sogenannten „TrimBox“-Informationen, die das Endformat definieren. Wenn du mit einer Druckerei kommunizierst, ist das Endformat die wichtigste Angabe für das Angebot. Es bestimmt das Gewicht, die Portokosten und die Haptik des Produkts.

10. Falzmarken

Falzmarken sind feine, oft gestrichelte Linien, die außerhalb des Satzspiegels im Beschnittbereich liegen. Sie fungieren als exakte Koordinaten für die Mitarbeiter in der Druckweiterverarbeitung. Ohne diese Marken wüsste der Buchbinder nicht auf den Millimeter genau, wo die Maschine das Papier knicken soll. Besonders bei komplexen Falzarten wie dem Altarfalz sind sie absolut überlebenswichtig für das Endprodukt. In modernen Workflows werden sie meist automatisch beim PDF Export aus InDesign erstellt. Sie sind stumme Diener, die nach dem finalen Schnitt verschwinden, aber für die Präzision des fertigen Flyers unerlässlich sind.

11. Flattersatz

Der Flattersatz ist die wohl lesefreundlichste Art, Texte zu setzen. Während die Zeilenanfänge sauber untereinanderstehen, enden die Zeilen je nach Wortlänge unterschiedlich weit rechts. Das erzeugt einen optischen Rhythmus, der das Auge beim Lesen weniger ermüdet als ein starrer Block. Wir nutzen ihn vor allem für moderne, luftige Designs und im Corporate Design für weniger formelle Publikationen. Ein guter Flattersatz erfordert dennoch eine manuelle Kontrolle der Umbrüche, um „Treppen“ oder unschöne Lücken zu vermeiden. Er wirkt ehrlich, direkt und weniger technisch als der Blocksatz.

12. Gerechtfertigter Satz (Blocksatz)

Beim Blocksatz werden alle Zeilen eines Absatzes durch Variieren der Wortabstände auf die exakt gleiche Breite gebracht. Das erzeugt ein sehr ruhiges, rechteckiges Textbild, das oft in Zeitungen und Büchern verwendet wird. Die Herausforderung besteht darin, dass keine „Löcher“ oder „Gassen“ im Text entstehen, die den Lesefluss stören könnten. Moderne Layout-Software nutzt komplexe Algorithmen, um die Abstände zwischen Buchstaben und Wörtern unmerklich zu dehnen oder zu stauchen. Wenn der Blocksatz perfekt eingestellt ist, vermittelt er eine Aura von Ordnung und Seriosität. Er ist die klassische Wahl für lange Lesetexte, die eine hohe Autorität ausstrahlen sollen.

13. Goldener Schnitt

Der Goldene Schnitt ist das „Gottesmaß“ der Gestaltung und begegnet uns überall in der Natur und der klassischen Kunst. Mathematisch gesehen liegt das Verhältnis bei etwa 1 zu 1,618. Wenn wir ein Layout nach diesem Prinzip aufteilen, empfindet das menschliche Auge das Ergebnis als instinktiv harmonisch und ästhetisch ansprechend. Es ist ein mächtiges Werkzeug, um Spannungsverhältnisse zwischen Bild und Text zu erzeugen, ohne das Gleichgewicht zu verlieren. Viele Logos weltbekannter Marken basieren auf den Proportionen des Goldenen Schnitts. Wer dieses Prinzip versteht, kann Designs entwerfen, die eine zeitlose Eleganz ausstrahlen.

14. Grundlinienraster

Ein Grundlinienraster ist das unsichtbare magnetische Gitter, an dem wir unsere Zeilen ausrichten. Stell dir vor, du hast eine mehrspaltige Seite; ohne Raster würden die Zeilen der linken Spalte vielleicht leicht versetzt zur rechten Spalte stehen. Das wirkt unruhig und unprofessionell. Mit einem aktiven Grundlinienraster „rasten“ alle Texte auf horizontalen Linien ein, was für eine perfekte Registerhaltigkeit sorgt. Das ist besonders wichtig, wenn das Papier dünn ist und der Text der Rückseite durchscheint. Ein konsequent genutztes Raster ist das Markenzeichen eines erfahrenen Typografen.

15. Hurenkind

In der Typografie bezeichnet das „Hurenkind“ (ein heute oft durch „Witwe“ ersetzter Begriff) eine einzelne, letzte Zeile eines Absatzes, die einsam am Anfang einer neuen Spalte oder Seite steht. Dieser Anblick gilt als grober handwerklicher Fehler, da er den optischen Fluss der Seite stört und ein Loch im Satzspiegel hinterlässt. Es wirkt fast so, als hätte man den Text einfach wahllos abgeschnitten. Um solche Fehler zu vermeiden, müssen wir den Text durch leichte Änderungen an der Laufweite oder den Umbrüchen sanft „schieben“. Ein sauberer Umbruch zeigt die Wertschätzung des Gestalters gegenüber dem geschriebenen Wort. In hochwertigen Magazinen wird jedes Hurenkind gnadenlos eliminiert.

16. Kolumnentitel

Der Kolumnentitel ist ein Orientierungselement, das dem Leser hilft, sich innerhalb eines umfangreichen Druckwerks zurechtzufinden. Meist am oberen Rand der Seite platziert, enthält er oft den Namen des Kapitels, des Autors oder des Buches selbst. Er dient nicht nur der Information, sondern ist auch ein wichtiges gestalterisches Element, das den Satzspiegel nach oben hin abschließt. Zusammen mit der Seitenzahl (dem Paginieren) bildet er das Navigationssystem des analogen Mediums. Ein gut gestalteter Kolumnentitel drängt sich nicht auf, ist aber immer zur Stelle, wenn der Leser den Überblick verliert. Er verleiht mehrseitigen Dokumenten eine professionelle Struktur.

17. Lebender Kolumnentitel

Ein lebender Kolumnentitel geht noch einen Schritt weiter als die statische Variante: Er ändert seinen Inhalt dynamisch basierend auf dem aktuellen Kapitel oder Unterthema. Wenn du durch ein Lexikon blätterst, siehst du oben oft die ersten Buchstaben der Wörter auf dieser Seite, das ist ein klassisches Beispiel. In InDesign nutzen wir hierfür Textvariablen, die automatisch den Inhalt einer bestimmten Absatzformatebene auslesen. Das spart nicht nur Zeit bei der Erstellung, sondern verhindert auch fatale Fehler beim Kopieren. Er ist das „GPS“ für den Leser in komplexen Fachbüchern oder Katalogen. Besonders bei technischen Dokumentationen ist der lebende Kolumnentitel ein unverzichtbares Werkzeug der Nutzerführung.

18. Marginalie

Marginalien sind kurze Anmerkungen, die außerhalb des eigentlichen Satzspiegels im Randbereich stehen. Sie dienen dazu, wichtige Begriffe hervorzuheben, Quellen zu nennen oder dem Leser eine schnelle Zusammenfassung des Absatzes zu bieten. In der klassischen Buchgestaltung lockern sie das Textbild auf und geben der Seite eine zusätzliche Informationsebene. Da sie im „Weißraum“ stehen, ziehen sie die Aufmerksamkeit schnell auf sich, ohne den Lesefluss des Haupttextes hart zu unterbrechen. Eine gut gesetzte Marginalie wirkt akademisch und wertig zugleich. Sie ist ein exzellentes Mittel, um komplexe Fachtexte benutzerfreundlicher zu gestalten.

19. Nutzen

Der Begriff „Nutzen“ beschreibt die Anzahl der fertigen Einzelprodukte, die auf einen gemeinsamen Druckbogen passen. Wenn du zum Beispiel Visitenkarten druckst, werden oft 10 oder 20 Nutzen auf einen Bogen gelegt, um die Kosten für den Maschinendurchlauf zu minimieren. Die Berechnung der optimalen Nutzenanzahl ist eine der Hauptaufgaben der Druckkalkulation. Je weniger ungenutzter Platz auf dem Bogen bleibt, desto nachhaltiger und günstiger wird die Produktion. Man spricht hierbei auch oft vom Sammeldruck, wenn verschiedene Aufträge auf einen Bogen kombiniert werden. Für dich als Designer bedeutet eine hohe Nutzenanzahl meist einen attraktiveren Preis für deinen Kunden.

20. Satzspiegel

Der Satzspiegel ist die definierte Fläche auf einer Seite, die tatsächlich mit Texten, Bildern und Grafiken gefüllt werden darf. Er wird durch die Ränder (oben, unten, innen, außen) begrenzt und bestimmt maßgeblich die Anmutung des Layouts. Ein kleiner Satzspiegel mit viel Weißraum drumherum wirkt exklusiv und edel, während ein vollgepackter Satzspiegel eher informativ oder gar billig erscheinen kann. Bei der Definition des Satzspiegels nutzen Profis oft klassische Methoden wie die Neuner-Teilung oder die Konstruktion nach Villard de Honnecourt. Er ist das unsichtbare Skelett, das alle Elemente deiner Gestaltung zusammenhält. Ein stimmiger Satzspiegel ist die Basis für jede gelungene Typografie.

21. Schusterjunge

Ein Schusterjunge (auch „Waise“ genannt) tritt auf, wenn die erste Zeile eines neuen Absatzes ganz allein am Ende einer Seite oder Spalte steht. Optisch wirkt das unsauber, da der Leser eine neue Information beginnt, dann aber sofort durch das Umblättern unterbrochen wird. Es ist das Gegenstück zum Hurenkind und wird in der Satztechnik ebenso streng vermieden. Um einen Schusterjunge zu korrigieren, kann man entweder den Zeilenabstand minimal variieren oder den Text durch Worttrennungen anders verteilen. In modernen Layoutprogrammen gibt es „Umbruchoptionen“, die solche Fehler automatisch verhindern können. Wer auf solche Details achtet, liefert Arbeiten ab, die sich deutlich vom Amateurbereich abheben.

22. Standskizze

Bevor wir uns in die Details der Pixel und Vektoren stürzen, hilft eine Standskizze dabei, die grobe Architektur des Designs festzulegen. Es handelt sich dabei um eine reduzierte Darstellung, die lediglich die Positionen von Logos, Bildern und Textblöcken markiert. In der Zusammenarbeit mit Druckereien dient sie oft dazu, die Platzierung von Veredelungen oder Sonderfarben zweifelsfrei zu klären. Auch für komplexe Falzungen ist eine Standskizze unerlässlich, um sicherzustellen, dass keine wichtigen Inhalte in der Pfalz verschwinden. Sie ist der Bauplan, der sicherstellt, dass die spätere Realität exakt dem Entwurf entspricht. Oft reicht schon ein einfacher Dummy aus Papier, um die Proportionen im Raum zu prüfen.

23. Steg

Als Stege bezeichnen wir im Printdesign die unbedruckten Randbereiche, die den Satzspiegel umschließen. Man unterscheidet dabei den Kopfsteg (oben), den Fußsteg (unten), den Außensteg und den Bundsteg (innen). Ein klassisches Proportionsgesetz besagt, dass die Stege nach außen und unten hin breiter werden sollten, um der Seite ein stabiles optisches Gewicht zu geben. Die Stege fungieren als Rahmen für deinen Inhalt und verhindern, dass das Auge des Lesers über die Kante „fällt“. Sie bieten zudem Platz für die Daumen des Lesers, damit dieser beim Halten des Buches keinen Text verdeckt. Großzügige Stege sind ein Zeichen von Qualität und gestalterischer Souveränität.

24. Umbruch

Der Umbruch ist das finale Zusammenfügen aller Gestaltungselemente zu einer fertigen Druckseite. Hier entscheidet sich, ob der Rhythmus aus Text, Bild und Weißraum funktioniert oder ob das Layout überladen wirkt. Während des Umbruchs korrigieren wir typografische Fehler wie Hurenkinder oder Schusterjungen und optimieren die optischen Abstände. In der Zeit des Bleisatzes war dies körperlich anstrengende Arbeit am Setzkasten; heute erledigen wir das mit wenigen Klicks in InDesign. Dennoch bleibt es ein handwerklicher Prozess, der viel Erfahrung und ein gutes Auge erfordert. Ein gelungener Umbruch macht aus einer Ansammlung von Daten ein lesbares und genießbares Medium.

25. Weißraum

Weißraum, oft auch „Negativraum“ genannt, ist eines der am meisten unterschätzten Werkzeuge im Design. Er bezeichnet die Flächen einer Seite, die bewusst leer gelassen werden. Weißraum ist kein „verschenkter Platz“, sondern er gibt den Inhalten Bedeutung und Fokus. Er hilft dem Gehirn des Lesers, Informationen zu gruppieren und Hierarchien schneller zu erfassen. Marken im Luxussegment nutzen extrem viel Weißraum, um Exklusivität und Ruhe auszustrahlen. Wer mutig genug ist, Platz leer zu lassen, beweist gestalterische Reife. Weißraum ist die Stille zwischen den Tönen, die erst die Musik entstehen lässt.

Die Magie der Farben

26. Additive Farbmischung (RGB)

Das RGB System basiert auf den Lichtfarben Rot, Grün und Blau und ist das fundamentale Prinzip hinter jedem Monitor, Smartphone oder Fernseher. Wenn alle drei Grundfarben mit maximaler Intensität übereinandergelegt werden, entsteht reines, strahlendes Weiß. Da Bildschirme selbstleuchtende Lichtquellen sind, können sie eine enorme Leuchtkraft und Sättigung erreichen, die im Druck oft nicht reproduzierbar ist. In der Gestaltung für Dreamcodes nutzen wir RGB für alles, was digital bleibt, etwa Social Media Grafiken oder Web Interfaces. Es ist jedoch essenziell zu verstehen, dass RGB Farben für den Druckprozess zwingend umgerechnet werden müssen, da Papier selbst nicht leuchtet. Wer diesen Unterschied ignoriert, wird von stumpfen Farben im fertigen Druckprodukt enttäuscht sein.

27. Subtraktive Farbmischung (CMYK)

Im Gegensatz zum Licht basiert der Druck auf der subtraktiven Farbmischung mit den Komponenten Cyan, Magenta, Yellow und Key (Schwarz). Hierbei wird Licht vom Papier verschluckt (subtrahiert); mischt man alle drei Buntfarben theoretisch zu 100 %, entstünde ein dunkles Braun, weshalb Schwarz als vierte Komponente für echte Tiefe und Kontraste hinzugefügt wird. Dieser Farbraum ist deutlich kleiner als der RGB Farbraum, was bedeutet, dass extrem leuchtende Neonfarben oder sehr grelle Grüntöne im Standard CMYK Druck nicht exakt dargestellt werden können. Jedes Layoutprogramm simuliert diesen Prozess, doch erst die Umwandlung der Profile sorgt für ein technisch korrektes Ergebnis. CMYK ist das „Brot und Butter System“ jeder Druckerei weltweit. Ein tiefes Verständnis dieser Mischverhältnisse ist die Basis für jede professionelle Reinzeichnung.

28. Dichte

Die Farbdichte beschreibt im Druckwesen die Dicke des Farbauftrags auf dem Bedruckstoff. Mit einem sogenannten Densitometer messen Drucker, wie viel Licht von einer bedruckten Fläche absorbiert wird, um eine gleichbleibende Qualität über die gesamte Auflage sicherzustellen. Ist die Dichte zu gering, wirkt das Design flau und kraftlos; ist sie zu hoch, kann die Farbe verschmieren oder das Papier wellen. Besonders bei großen, tiefschwarzen Flächen ist eine präzise Steuerung der Dichte entscheidend für die Wertigkeit des Produkts. In deinem Corporate Design Manual solltest du daher darauf achten, dass Flächen nicht mit einem Farbauftrag von über 300 % angelegt werden. Die Dichte ist somit das Maß für die Sättigung und die physische Präsenz der Farbe auf dem Papier.

29. Euroskala

Die Euroskala ist der umgangssprachliche Begriff für den ISO-Standard des Vierfarbdrucks, der in Europa die Farbwirkung von CMYK Tinten definiert. Durch diesen Standard wird sichergestellt, dass ein „Magenta“ in einer Berliner Druckerei exakt so aussieht wie in einer Druckerei in München oder Paris. Er basiert auf der DIN ISO 12647, die genau vorschreibt, wie die Pigmente beschaffen sein müssen. Für dich als Gestalter bedeutet das eine enorme Sicherheit bei der Produktion von überregionalen Kampagnen. Ohne eine solche Normierung wäre es unmöglich, konsistente Markenfarben über verschiedene Dienstleister hinweg zu garantieren. Die Euroskala ist das Rückgrat der europäischen Druckindustrie und das Fundament für verlässliche Farbergebnisse.

30. Farbmanagement

Farbmanagement ist der übergeordnete Prozess, der die Farbwiedergabe über die gesamte Kette vom Scanner über den Monitor bis zur Druckmaschine synchronisiert. Ziel ist es, dass das „What you see is what you get“ Prinzip (WYSIWYG) trotz völlig unterschiedlicher Technologien gewahrt bleibt. Da jeder Monitor Farben anders interpretiert und jedes Papier Tinte anders aufsaugt, braucht es Dolmetscher in Form von Profilen. Ein korrekt kalibrierter Monitor ist dabei die wichtigste Investition für jeden Designer, der professionelles Corporate Design betreibt. Ohne aktives Management ist Design ein Glücksspiel mit ungewissem Ausgang. Es ist die unsichtbare Architektur, die dafür sorgt, dass deine kreative Vision ohne Verluste auf dem Papier landet.

31. Farbprofil (ICC)

Ein ICC Profil ist ein standardisierter Datensatz, der dem Computer sagt, wie ein bestimmtes Gerät Farben darstellt oder druckt. Man kann es sich wie einen digitalen Personalausweis für Drucker, Monitore oder Papiersorten vorstellen. Wenn du beispielsweise auf ungestrichenem Naturpapier druckst, nutzt du ein anderes Profil als für glänzendes Bilderdruckpapier, da die Saugfähigkeit des Materials die Farbe massiv beeinflusst. Diese Profile (zB. „ISO Coated v2“ oder „PSO Uncoated“) berechnen die Farbwerte so um, dass das Endergebnis der Vorlage so nah wie möglich kommt. In InDesign weist du diese Profile beim PDF Export zu, um der Druckmaschine die passenden Instruktionen zu geben. Ein falsches Profil ist die häufigste Ursache für Farbstiche oder „abgesoffene“ dunkle Bildbereiche.

32. Farbseparation

Die Farbseparation ist der technische Vorgang, bei dem ein digitales Farbbild in seine druckbaren Grundfarben zerlegt wird. Ein herkömmliches Foto besteht zunächst aus RGB Daten, die für den Druck in die vier Kanäle Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz separiert werden müssen. Dabei entstehen vier separate Ebenen, die später auf die jeweiligen Druckplatten belichtet werden. In der modernen Druckvorstufe geschieht dies meist automatisch während des PDF Exports, doch Spezialanwendungen erfordern oft eine manuelle Kontrolle. Besonders bei der Trennung von Sonderfarben und Prozessfarben ist Präzision gefragt, damit keine ungewollten Mischungen entstehen. Die Qualität der Separation entscheidet maßgeblich über die Schärfe und Brillanz der späteren Abbildung.

33. Farbtiefe

Farbtiefe definiert, wie viele Informationen pro Pixel zur Verfügung stehen, um Farbabstufungen darzustellen. Wir messen dies in Bit; ein Standard JPEG hat meist 8 Bit pro Kanal, was zu etwa 16,7 Millionen möglichen Farben führt. Im High End Bereich arbeiten wir oft mit 16 Bit, um extrem feine Verläufe ohne „Banding“ (sichtbare Stufen) zu ermöglichen. Für den Druck ist eine ausreichende Farbtiefe in den Quelldaten essenziell, damit bei der Umwandlung in CMYK keine Details verloren gehen. Je höher die Farbtiefe, desto geschmeidiger wirken Schattenpartien und Hauttöne in deinen Broschüren. Sie ist das Maß für die Nuancierungskraft deines visuellen Materials.

34. Farbverbindlicher Proof

Ein farbverbindlicher Proof (oder Kontraktproof) ist ein physischer Probedruck, der nach strengen ISO Normen erstellt wird und rechtlich als Referenz für das Druckergebnis gilt. Er ist die letzte Absicherung vor dem teuren Auflagendruck und zeigt exakt, wie das Papier die Farbe annehmen wird. Ein echter Proof enthält immer einen Medienkeil, der mit einem Messgerät überprüft wird, um die Einhaltung der Toleranzen zu garantieren. Für kritische Corporate Design-Projekte ist er absolut unverzichtbar, um spätere Reklamationen zu vermeiden. Ein PDF am Bildschirm ist niemals ein Ersatz für einen echten Proof, da das Licht des Monitors die Wahrnehmung täuscht. Er ist das „Ja Wort“ zwischen Designer und Druckerei.

35. HKS

HKS ist ein deutsches Farbsystem, das aus einer Kooperation der Farbenhersteller Hostmann-Steinberg, Kast + Ehinger sowie Schmincke entstanden ist. Es umfasst 120 Basisfarben, die speziell für den Druck auf verschiedenen Papierklassen (K für Kunstdruck, N für Naturpapier) optimiert sind. Im Gegensatz zu CMYK wird eine HKS Farbe als fertige Mischung gedruckt, was eine 100-prozentige Farbtreue garantiert. Viele traditionsreiche deutsche Unternehmen nutzen HKS Werte in ihrem Logo-Design, um über Jahrzehnte hinweg identische Ergebnisse zu erzielen. Es ist das präziseste Werkzeug, wenn es darum geht, eine Markenidentität physisch greifbar zu machen. Wer „sein“ Blau exakt definiert haben will, greift in Deutschland oft zu HKS.

36. Metamerie

Metamerie ist ein faszinierendes, aber tückisches optisches Phänomen: Zwei Farbproben sehen unter einer Lichtquelle identisch aus, wirken aber unter einer anderen Lichtquelle völlig verschieden. Das passiert oft, wenn verschiedene Pigmentmischungen verwendet werden, um denselben Farbton zu erreichen. Ein klassisches Beispiel ist ein dunkelblaues Logo, das im Büro perfekt aussieht, aber im Sonnenlicht plötzlich einen Rotstich bekommt. In der Druckvorstufe versuchen wir dies durch standardisierte Lichtkabinen mit D50 Normlicht (5000 Kelvin) zu kontrollieren. Für dein Corporate Design bedeutet das, Farben unter verschiedenen Bedingungen zu testen, um böse Überraschungen beim Kunden zu vermeiden. Es erinnert uns daran, dass Farbe immer eine Interaktion zwischen Material und Licht ist.

37. Pantone (PMS)

Das Pantone Matching System (PMS) ist der internationale Weltstandard für Sonderfarben und im Design Alltag allgegenwärtig. Mit über 2.000 Farben bietet es eine Palette, die weit über das hinausgeht, was CMYK leisten kann, einschließlich Metallic und Neon Effekten. Pantone Farben werden weltweit über Nummern (zB. Pantone 286 C) kommuniziert, was die globale Zusammenarbeit mit Druckereien extrem vereinfacht. Jedes Jahr kürt das Pantone Color Institute zudem die „Color of the Year“, die maßgeblichen Einfluss auf Mode und Grafikdesign hat. Wenn du ein Logo entwickelst, das weltweit identisch aussehen soll, ist ein Pantone Wert die einzige zuverlässige Sprache. Es ist das universelle Farbvokabular der Kreativbranche.

38. Passermarken

Passermarken sind winzige Fadenkreuze, die außerhalb des Nettoformats auf den Druckbogen gedruckt werden. Sie dienen dem Drucker dazu, die vier Druckplatten für Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz exakt übereinander auszurichten. Wenn die Farben nicht „passen“, entstehen unscharfe Bilder und unschöne Farbsäume an den Kanten. Man kann diesen Fehler oft in billigen Tageszeitungen beobachten, wenn das Gesicht einer Person plötzlich einen gelben Schatten wirft. In der modernen Produktion werden diese Marken oft von automatischen Kamerasystemen in der Maschine gescannt, um die Justierung in Echtzeit vorzunehmen. Sie sind kleine, aber mächtige Werkzeuge der Präzision, die über die Schärfe deines Designs entscheiden.

39. Prozessfarben

Der Begriff Prozessfarben ist lediglich ein Synonym für die Standardfarben des Vierfarbdrucks: CMYK. Man nennt sie so, weil sie im standardisierten Druckprozess durch Rasterung und Übereinanderdruck nahezu alle anderen Farben simulieren. Im Gegensatz zu Sonderfarben werden sie aus nur vier Grundkomponenten gemischt. Fast 95 % aller weltweit gedruckten Erzeugnisse entstehen ausschließlich mit diesen Prozessfarben. Sie sind wirtschaftlich unschlagbar, da die Druckmaschine nicht für jede Farbe neu gewaschen werden muss. In deinem Layout bilden sie das Arbeitstier, das Fotos und bunte Grafiken zum Leben erweckt.

40. Schmuckfarben / Sonderfarben

Schmuckfarben sind fertig angemischte Farbtöne, die zusätzlich oder anstelle der Prozessfarben verwendet werden. Sie kommen zum Einsatz, wenn eine Farbe besonders leuchtend sein muss oder wenn ein Logo exakt reproduziert werden soll, was mit CMYK oft nur annähernd gelingt. Typische Beispiele sind Gold, Silber oder das spezifische Orange einer großen Versandmarke. Da jede Schmuckfarbe ein eigenes Druckwerk in der Maschine belegt, steigen die Kosten pro Auftrag. Doch der Effekt ist es oft wert: Sonderfarben vermitteln eine Exklusivität und Brillanz, die rein technologisch durch Rasterung nicht erreichbar ist. Sie sind das „Sahnehäubchen“ im hochwertigen Brand Design.

41. Tonwert

Der Tonwert gibt den Deckungsgrad einer bedruckten Fläche an und wird in Prozent ausgedrückt. Ein Tonwert von 0 % bedeutet weißes Papier, während 100 % eine vollflächig bedruckte, gesättigte Farbe darstellen. Zwischenwerte werden durch Rasterpunkte simuliert; je kleiner die Punkte, desto heller wirkt der Tonwert für das menschliche Auge. In der Bildbearbeitung kontrollieren wir die Tonwerte, um sicherzustellen, dass in den hellsten Lichtern noch Zeichnung vorhanden ist und die Schatten nicht komplett „zulaufen“. Er ist die mathematische Beschreibung der Helligkeit innerhalb eines Farbkanals. Ein bewusster Umgang mit Tonwerten ist entscheidend für die Tiefe und Plastizität deiner Bilder.

42. Tonwertzunahme

Die Tonwertzunahme ist ein physikalischer Effekt, bei dem die Rasterpunkte auf dem Papier größer werden, als sie auf der Druckplatte ursprünglich waren. Das liegt daran, dass die flüssige Farbe vom Papier aufgesaugt wird und leicht verläuft – ähnlich wie ein Tintentropfen auf einem Löschblatt. Auf grobem Zeitungspapier ist die Zunahme viel stärker als auf glattem Bilderdruckpapier. Wenn man diesen Effekt nicht einplant, werden Bilder im Druck viel dunkler und kontrastärmer als am Monitor. Moderne Farbprofile (ICC) rechnen diesen Effekt automatisch ein, um das Ergebnis zu korrigieren. Es ist einer der wichtigsten technischen Faktoren, die man bei der Wahl des Papiers berücksichtigen muss.

43. Überfüllen (Trapping)

Überfüllen ist eine Technik der Druckvorstufe, um „Blitzer“ zwischen aneinandergrenzenden Farbflächen zu verhindern. Dabei wird die hellere Farbe minimal unter die dunklere Farbe ausgedehnt, sodass eine winzige Überlappung entsteht. Falls das Papier in der Maschine minimal arbeitet oder verrutscht, bleibt die Nahtstelle trotzdem geschlossen. Ohne Trapping würde bei kleinsten Passungenauigkeiten das weiße Papier zwischen zwei Farbflächen hervorleuchten. Moderne Software wie InDesign erledigt das meist im Hintergrund, doch bei extremen Kontrasten muss man als Designer manuell eingreifen. Es ist ein Akt der technischen Vorsorge für ein makelloses Finish.

44. Unterfarbenreduktion (UCR)

Unterfarbenreduktion (Under Color Removal) ist ein Verfahren, um den Gesamtfarbauftrag in dunklen Bildbereichen zu begrenzen. An Stellen, an denen Cyan, Magenta und Gelb zu einem dunklen Grau zusammengemischt würden, ersetzt man einen Teil dieser Buntfarben durch reines Schwarz (Key). Das spart nicht nur teure Tinte, sondern verhindert auch, dass das Papier zu feucht wird und Wellen schlägt oder die Farbe auf den nächsten Bogen ablegt (Ablegen). In deinem PDF-Export sorgt UCR dafür, dass der maximale Farbauftrag (TAC) die Grenze von meist 300 % nicht überschreitet. Es ist eine technische Optimierung, die die Trocknung beschleunigt und die Produktionssicherheit massiv erhöht.

45. Vollton

Ein Vollton beschreibt eine Farbfläche, die mit 100 % Farbauftrag gedruckt wird, also ohne jegliche Rasterung. Hierbei wird die Druckfarbe als geschlossener Film auf das Papier aufgebracht, was zu einer maximalen Sättigung und Ruhe der Fläche führt. Besonders bei Logos oder Texten ist ein Vollton essenziell, um scharfe Kanten und eine kräftige Wirkung zu erzielen. Man nutzt diesen Begriff oft im Zusammenhang mit Sonderfarben, die fast immer als Vollton angelegt werden. Ein Vollton wirkt massiv und wertig, da keine störenden Rasterpünktchen die Struktur unterbrechen. Er ist die reinste Form des Farbauftrags im Printdesign.

Technik & Produktion

46. Auflösung

Die Auflösung ist das Maß für die Detaildichte einer Grafik und wird im Druck meist in dpi (dots per inch) angegeben. Während für Bildschirme oft 72 dpi ausreichen, ist der Goldstandard für den hochwertigen Druck 300 dpi im Endformat. Eine zu geringe Auflösung führt zu „Treppchenbildung“ und verpixelten Bildern, was jedes noch so gute Design sofort billig wirken lässt. Es ist wichtig zu verstehen, dass man die Auflösung eines kleinen Bildes nicht einfach künstlich durch Hochrechnen verbessern kann. Die Qualität muss bereits in der Quelldatei vorhanden sein. Eine präzise Kontrolle der Auflösung ist die absolute Grundvoraussetzung für professionelle Print Ergebnisse.

47. Bogenoffset

Bogenoffset ist das klassische Druckverfahren für mittlere bis hohe Auflagen von Broschüren, Plakaten oder Geschäftsausstattungen. Hierbei werden einzelne Papierbögen nacheinander durch die Druckwerke der Maschine geführt, was eine extrem hohe Präzision und Farbstabilität ermöglicht. Der Vorteil gegenüber dem Rollendruck liegt in der Flexibilität bei den Formaten und der riesigen Auswahl an bedruckbaren Materialien. Da die Maschine für jeden Auftrag mit Druckplatten gerüstet werden muss, entstehen Fixkosten, die den Preis bei Kleinstauflagen in die Höhe treiben. Für exklusive Corporate Design Projekte ist der Bogenoffset jedoch fast immer die erste Wahl. Er kombiniert Handwerkskunst mit industrieller Geschwindigkeit.

48. Digitaldruck

Der Digitaldruck hat die Branche revolutioniert, da er ohne statische Druckplatten auskommt und die Daten direkt vom Computer an die Maschine sendet. Dies macht ihn zum idealen Verfahren für Kleinstauflagen, personalisierte Mailings oder kurzfristige Nachdrucke. Da keine Rüstkosten anfallen, ist der Preis pro Stück bereits ab dem ersten Exemplar attraktiv. Moderne Digitaldruckmaschinen erreichen mittlerweile eine Qualität, die dem Offsetdruck kaum noch nachsteht. Ein besonderer Clou ist die Möglichkeit des „Print on Demand“, was Lagerkosten spart und die Aktualität deiner Printmedien erhöht. Er ist das flexibelste Werkzeug im modernen Marketing Mix.

49. Drahtrückstichheftung

Die Drahtrückstichheftung ist die wohl gängigste Bindungsart für Zeitschriften und dünne Broschüren. Dabei werden die ineinandergelegten Papierbögen im Falz mit zwei oder mehr Drahtklammern zusammengehalten. Dieses Verfahren ist extrem kostengünstig, schnell und ermöglicht ein sehr gutes Aufschlagverhalten der Seiten. Ein technisches Detail, das man beachten muss, ist der „Bundzuwachs“: Je mehr Seiten die Broschüre hat, desto weiter rücken die inneren Seiten nach außen. Ein erfahrener Designer gleicht dies im Layout aus, damit die Seitenzahlen nicht „wandern“. Sie ist die funktionale Lösung für alles, was handlich und informativ bleiben soll.

50. Druckkennlinie

Die Druckkennlinie ist ein Steuerungsinstrument, das die Tonwertübertragung von der Datei auf das Papier mathematisch korrigiert. Sie gleicht physikalische Effekte wie die Tonwertzunahme aus, damit das Druckergebnis exakt den Vorgaben entspricht. Jede Kombination aus Papierart und Druckmaschine benötigt eine eigene, spezifische Kennlinie. In der modernen Druckvorstufe wird sie oft in den Workflow integriert, um eine standardisierte Qualität zu garantieren. Ohne diese Kalibrierung würden Bilder auf saugfähigem Papier massiv „absaufen“ und Details in den Tiefen verlieren. Sie ist der unsichtbare Qualitätswächter im Hintergrund der Produktion.

51. Drucklack

Drucklack wird wie eine zusätzliche Farbe auf das Papier aufgetragen und dient entweder dem Schutz oder der Veredelung. Ein vollflächiger Schutzlack verhindert, dass die Farbe auf der Gegenseite ablegt oder durch Reibung verschmiert. Man kann ihn aber auch partiell einsetzen, um bestimmte Elemente wie Logos oder Bilder glänzend hervorzuheben, während der Rest matt bleibt. Dies erzeugt eine spannende visuelle und haptische Ebene, die die Wertigkeit deines Designs sofort steigert. Drucklack ist ein kosteneffizientes Mittel, um Standardprodukten eine edle Note zu verleihen. Er schützt das Werk und veredelt die Botschaft zugleich.

52. Druckplatte

Die Druckplatte ist der physische Informationsträger im Offsetdruck, meist eine dünne Aluminiumplatte. Auf ihr wird das Motiv so vorbereitet, dass farbführende Stellen wasserabweisend und nicht-farbführende Stellen wasserfreundlich sind. Für jede der vier CMYK-Farben muss eine eigene Platte belichtet werden. In modernen CTP Anlagen (Computer to Plate) geschieht dies per Laser direkt aus der digitalen Datei. Nach dem Druckvorgang werden die Platten meist recycelt. Sie sind das Bindeglied, das deine digitalen Pixel in die Welt der physischen Farbe übersetzt.

53. Druckraster

Da eine Druckmaschine keine echten Graustufen drucken kann, nutzt sie den Druckraster, um Halbtöne zu simulieren. Dabei wird das Bild in Millionen winziger Punkte zerlegt; je dichter diese beieinanderliegen, desto dunkler wirkt die Fläche. Wir unterscheiden zwischen dem klassischen Amplituden-Raster (autotypisch) und dem modernen frequenzmodulierten Raster (stochastisch). Ein feiner Raster sorgt für scharfe Details und weiche Übergänge, was besonders bei hochwertigen Fotobänden entscheidend ist. Die Wahl der Rasterweite hängt stark von der Saugfähigkeit des Papiers ab. Der Raster ist die optische Täuschung, die Druck erst möglich macht.

54. Druckvorstufe (Prepress)

Die Druckvorstufe umfasst alle Prozesse, die zwischen dem fertigen Design und dem eigentlichen Druck stattfinden. Dazu gehören das Daten-Checking (Preflight), die Farbseparation, das Management von Schriften und Bildern sowie das Ausschießen. Fehler, die hier übersehen werden, vervielfältigen sich im Druck tausendfach und führen zu teuren Reklamationen. Ein guter Prepress Workflow ist automatisiert, lässt aber Raum für manuelle Qualitätskontrollen durch erfahrene Augen. Als Designer lieferst du hier die Rohdaten, die in diesem Prozess „druckfertig“ gemacht werden. Sie ist das Nadelöhr, durch das jedes Projekt fließen muss.

55. Fadenheftung

Die Fadenheftung gilt als die „Königsklasse“ der Buchbindung. Hierbei werden die einzelnen gefalzten Bögen mit einem stabilen Faden miteinander vernäht, bevor sie in den Buchrücken eingeklebt werden. Der große Vorteil ist das exzellente Aufschlagverhalten: Das Buch bleibt an jeder Stelle flach liegen, ohne dass die Seiten wieder zuspringen. Zudem ist diese Bindung extrem langlebig und strapazierfähig, was sie ideal für Bildbände oder hochwertige Fachliteratur macht. Sie ist zwar teurer als eine Klebebindung, unterstreicht aber den Premium-Anspruch einer Marke wie kein anderes Verfahren. Ein Buch mit Fadenheftung ist ein haptisches Erlebnis für Generationen.

56. Falz

Der Falz ist nichts anderes als die scharfe Knickkante im Papier, die durch maschinelles Falten entsteht. Er transformiert einen flachen Bogen in ein dreidimensionales Objekt wie einen Flyer oder ein Buch. Wir unterscheiden zwischen dem Bruchfalz (parallel) und dem Kreuzfalz (über Kreuz). Bei dickem Papier muss die Falzkante oft „gerillt“ werden, damit die Papierfasern nicht unschön aufbrechen. Ein präziser Falz ist entscheidend dafür, dass das Layout an den Kanten exakt abschließt. Er ist der strukturelle Wendepunkt in deinem Design.

57. Flexodruck

Der Flexodruck ist ein direktes Hochdruckverfahren, bei dem flexible Druckplatten aus Fotopolymer oder Gummi verwendet werden. Es ist das Standardverfahren für die Verpackungsindustrie, da es fast alles bedrucken kann: von dünnen Kunststofffolien über Servietten bis hin zu Wellpappe. Die verwendeten Farben sind oft dünnflüssig und trocknen extrem schnell, was enorme Produktionsgeschwindigkeiten ermöglicht. Im Corporate Design begegnet uns der Flexodruck meist bei Tragetaschen oder Versandkartons. Er ist das Arbeitstier für Oberflächen, an denen der klassische Offsetdruck scheitert. Seine Stärke liegt in der Anpassungsfähigkeit an unebene Materialien.

58. Grammatur

Die Grammatur gibt das Flächengewicht des Papiers in Gramm pro Quadratmeter (g/m²) an. Sie ist der wichtigste Faktor für die Haptik und Stabilität eines Druckprodukts. Ein klassischer Briefbogen hat meist 80–100 g/m², während eine wertige Visitenkarte oft bei 300–400 g/m² liegt. Die Wahl der richtigen Grammatur muss zum Einsatzzweck passen: Zu dünnes Papier wirkt billig, zu dickes Papier lässt sich schwer falzen. Man sollte das Papier immer im Zusammenspiel mit dem Volumen und der Opazität betrachten. Die Grammatur entscheidet darüber, wie schwer deine Markenbotschaft in der Hand liegt.

59. Holzfrei

Der Begriff „holzfrei“ ist etwas irreführend, da das Papier natürlich immer noch aus Pflanzenfasern besteht. Es bedeutet jedoch, dass der Stoff Lignin chemisch entfernt wurde, der für das schnelle Vergilben von Papier verantwortlich ist. Holzfreie Papiere sind deutlich alterungsbeständiger, weißer und hochwertiger als holzhaltige Papiere (wie Zeitungsdruckpapier). Für Geschäftsausstattungen und langlebige Imagebroschüren ist holzfreies Papier der absolute Standard. Es bewahrt die Brillanz deiner Farben über viele Jahre hinweg. Wer Qualität will, setzt auf die Reinheit holzfreier Fasern.

60. Klebebindung (PUR)

Die Klebebindung ist die moderne und wirtschaftliche Alternative zur Fadenheftung für umfangreiche Kataloge und Taschenbücher. Dabei werden die Blätter am Rücken abgefräst und mit einem Spezialklebstoff (meist Polyurethan, kurz PUR) fixiert. PUR-Kleber ist extrem temperaturfest und alterungsbeständig, was verhindert, dass Seiten aus dem Buch fallen. Das Aufschlagverhalten ist zwar etwas fester als bei der Fadenheftung, aber für die meisten Anwendungen absolut ausreichend. Sie ermöglicht einen sauberen, eckigen Buchrücken, der auch im Regal hervorragend aussieht. Sie ist die effiziente Lösung für dicke Publikationen mit hohem Qualitätsanspruch.

61. Laufrichtung

Papierfasern richten sich bei der Herstellung im Sieb der Papiermaschine fast immer in eine Richtung aus. Diese „Laufrichtung“ ist für die Weiterverarbeitung extrem wichtig: Falzt man gegen die Faser, bricht das Papier unschön auf. Falzt man mit der Faser, ist der Knick sauber und geschmeidig. Auch beim Aufschlagverhalten von Büchern spielt sie eine Rolle: Die Fasern sollten immer parallel zum Buchrücken verlaufen. Erfahrene Drucker achten peinlich genau darauf, wie der Nutzen auf den Bogen gelegt wird. Die Laufrichtung ist das unsichtbare Gefüge, das über die mechanische Qualität entscheidet.

62. Leporello

Ein Leporello, auch Zickzackfalz genannt, ist eine Falzart, bei der das Papier abwechselnd nach vorne und hinten geknickt wird. Das Ergebnis erinnert an eine Ziehharmonika und bietet eine spannende Art der Informationsvermittlung. Man kann den Flyer komplett auseinanderziehen, um ein langes Panorama-Bild zu zeigen, oder ihn wie ein Buch durchblättern. Diese Falzart eignet sich hervorragend für Zeitleisten, Wegbeschreibungen oder Produktübersichten. Der Name stammt übrigens von der Opernfigur Leporello, der eine meterlange Liste der Liebschaften seines Herrn Don Giovanni führte. Es ist eine verspielte und dennoch strukturierte Form des Layouts.

63. Lichtechtheit

Die Lichtechtheit beschreibt, wie widerstandsfähig Druckfarben gegen das Ausbleichen durch Sonnenlicht (UV-Strahlung) sind. Besonders bei Plakaten im Außenbereich oder Schaufenster Displays ist dieser Faktor kritisch. Bestimmte Pigmente, wie etwa manche Magentatöne, verblassen viel schneller als andere. Wenn du Druckprodukte planst, die lange der Sonne ausgesetzt sind, musst du spezielle „lichtechte Farben“ bei der Druckerei anfordern. Eine Skala von 1 bis 8 (Wollskala) gibt Auskunft über die Beständigkeit. Nichts wirkt unprofessioneller als ein verblasstes Plakat, das nach wenigen Wochen nur noch gelblich grau aussieht.

64. Naturpapier

Naturpapier ist ein ungestrichenes Papier, das direkt nach der Herstellung seine natürliche, leicht raue Oberfläche behält. Es strahlt Authentizität, Wärme und eine hohe haptische Qualität aus, weshalb es im modernen Corporate Design extrem beliebt ist. Da die Oberfläche nicht versiegelt ist, dringt die Farbe tief in die Fasern ein, was zu einer weicheren Farbwiedergabe führt. Bilder wirken darauf weniger brillant als auf gestrichenem Papier, dafür aber oft natürlicher und weniger aufdringlich. Es ist die perfekte Wahl für Marken, die Nachhaltigkeit und Ehrlichkeit kommunizieren wollen. Naturpapier muss man fühlen, um es zu verstehen.

65. Offsetdruck

Offsetdruck ist der Klassiker der indirekten Flachdruckverfahren. „Indirekt“ bedeutet, dass die Farbe nicht direkt von der Platte aufs Papier kommt, sondern erst auf ein Gummituch übertragen wird. Dies schont die Druckplatte und ermöglicht eine extrem feine Detailwiedergabe auf fast allen Oberflächen. Er ist das wirtschaftlichste Verfahren für große Auflagen und bietet die höchste Farbtreue über den gesamten Drucklauf. Nahezu jedes hochwertige Magazin und jeder Geschäftsbericht wird heute im Offsetdruck produziert. Er ist die Benchmark, an der sich alle anderen Drucktechnologien messen müssen.

66. Opazität

Opazität ist der Fachbegriff für die Lichtundurchlässigkeit von Papier. Wenn ein Papier eine geringe Opazität hat, scheint der Text der Rückseite störend durch (Durchscheinen). Besonders bei beidseitig bedruckten Flyern oder Büchern ist eine hohe Opazität entscheidend für den Lesekomfort. Sie wird durch Füllstoffe wie Kreide oder spezielle Beschichtungen im Papier erhöht. Man sollte nicht automatisch davon ausgehen, dass dickeres Papier auch blickdichter ist; es gibt dünne Papiere mit erstaunlich hoher Opazität. Sie ist ein technischer Wert, der über die Ruhe des Schriftbildes entscheidet.

67. Papierstrich

Der Papierstrich ist eine Beschichtung aus Mineralien und Bindemitteln, die auf das Rohpapier aufgetragen wird, um die Oberfläche zu glätten und zu veredeln. Wir unterscheiden zwischen matten, halbmatt und glänzend gestrichenen Papieren. Der Strich sorgt dafür, dass die Druckfarbe nicht so tief einsinkt, was zu einer höheren Brillanz und schärferen Rasterpunkten führt. Bilderdruckpapiere sind fast immer gestrichen, um Fotos optimal zur Geltung zu bringen. Er ist die „Make up“ Schicht des Papiers, die für eine perfekte Performance sorgt. Durch den Strich wird Papier erst zum professionellen Medium für Farbbilder.

68. PDF/X

PDF/X ist eine Unterfamilie des PDF Formats, die speziell für den Austausch von Druckdaten entwickelt wurde. Es stellt sicher, dass alle Schriften eingebettet, alle Bilder in der richtigen Auflösung vorhanden und die Farbräume korrekt definiert sind. Die Versionen wie PDF/X 3 oder das modernere PDF/X 4 sind der Industriestandard, den jede professionelle Druckerei verlangt. Wer ein „normales“ Office PDF schickt, riskiert fehlende Zeichen oder falsche Farben. Ein PDF/X ist wie ein versiegelter Container: Alles, was der Drucker braucht, ist sicher darin verpackt. Es ist die universelle Sprache zwischen Design und Produktion.

69. Perforation

Die Perforation ist eine Reihe von kleinen Löchern oder Schlitzen im Papier, die das einfache Abtrennen eines Teils ermöglichen. Jeder kennt das von Eintrittskarten, Antwortkarten in Magazinen oder Gutscheinheften. Technisch wird dies durch ein gezacktes Messer in der Weiterverarbeitung erreicht. Eine gute Perforation muss stabil genug sein, um nicht versehentlich zu reißen, aber locker genug, um einen sauberen Abriss zu garantieren. Im Corporate Design bietet sie eine funktionale Interaktion mit dem Kunden. Sie macht Papier zu einem aktiven Werkzeug der Kommunikation.

70. Prägung

Die Prägung ist eine der edelsten Formen der Veredelung, bei der Papierfasern dauerhaft verformt werden. Bei der Hochprägung wölbt sich das Motiv nach oben, bei der Tiefprägung wird es in das Material gepresst. Wenn dies ohne Farbe geschieht, spricht man von einer Blindprägung, die durch Licht und Schatten wirkt. Kombiniert man dies mit einer glänzenden Folie, entsteht eine Heißfolienprägung (zB. in Gold). Es ist eine haptische Krönung für Visitenkarten oder Buchcover, die man nicht nur sieht, sondern auch erfühlen kann. Prägung verleiht deiner Marke eine buchstäbliche Tiefe.

71. Rastern

Rastern bezeichnet den Vorgang, kontinuierliche Farbtöne in winzige, druckbare Punkte zu übersetzen. Da eine Druckmaschine nur „Farbe an“ oder „Farbe aus“ kennt, müssen hellere Nuancen durch kleinere Punkte simuliert werden. Dieser Prozess findet in einem Raster-Image-Processor (RIP) statt, kurz bevor die Druckplatten belichtet werden. Ein schlechtes Rastern kann zu Moiré-Effekten oder unschönen Stufenbildungen führen. Die Wahl des richtigen Rasteralgorithmus ist entscheidend für die Wiedergabe feinster Details. Es ist der Übersetzungsprozess von der digitalen Grafik zur physischen Pixel-Matrix.

72. Rillen

Rillen ist das mechanische Vorbereiten einer Falzkante bei Papieren ab ca. 170 g/m². Dabei wird mit einem stumpfen Werkzeug eine Vertiefung in das Papier gepresst, die die Fasern dehnt, ohne sie zu zerstören. Ohne Rillen würde das Papier beim Falzen an der Kante unkontrolliert aufplatzen und weißes Material freilegen. Besonders bei dunklen Druckflächen wirkt ein aufgeplatzter Falz extrem unprofessionell. Das Rillen sorgt für einen perfekten, scharfkantigen Knick und eine lange Haltbarkeit. Es ist die handwerkliche Sorgfalt, die man bei hochwertigen Kartonprodukten sofort bemerkt.

73. Rollenoffset

Rollenoffset ist das Schwergewicht unter den Druckverfahren und wird für extrem hohe Auflagen eingesetzt. Das Papier wird hierbei nicht bogenweise, sondern von riesigen, tonnenschweren Rollen in einer endlosen Bahn durch die Maschine gezogen. Diese Anlagen sind oft so lang wie ein ganzer Gebäudetrakt und drucken mit unglaublicher Geschwindigkeit. Typische Produkte sind Tageszeitungen, Telefonbücher oder wöchentliche Werbebeilagen. Nach dem Druck wird das Papier in der Maschine oft direkt geschnitten und gefalzt. Er ist das Kraftpaket der Massenkommunikation, wo jede Sekunde tausende Seiten entstehen.

74. Siebdruck

Der Siebdruck ist ein Durchdruckverfahren, bei dem die Farbe durch ein feines Gewebe auf das Material gepresst wird. Er ist ungeschlagen, wenn es um den Auftrag von sehr dicken Farbschichten oder Spezialfarben geht. Man kann damit nahezu alles bedrucken: Glas, Metall, Textilien, Holz oder sogar geformte Objekte. Im klassischen Printdesign nutzen wir ihn oft für extrem deckende Weißdrucke auf dunklem Naturpapier oder für großformatige Plakate. Er bietet eine Farbtiefe und Brillanz, die kein anderes Verfahren erreicht. Siebdruck ist das künstlerischste unter den industriellen Verfahren.

75. Tiefdruck

Der Tiefdruck ist das präziseste Verfahren für sehr hohe Auflagen und höchste Bildqualität. Im Gegensatz zum Offsetdruck liegen die farbführenden Stellen hier als kleine Vertiefungen (Näpfchen) in einem massiven Stahlzylinder. Jedes Näpfchen gibt exakt eine bestimmte Menge Farbe ab, was feinste Verläufe ohne sichtbare Rasterpunkte ermöglicht. Er wird für Luxusmagazine, hochwertige Kataloge und auch für Banknoten eingesetzt. Die Herstellung der Zylinder ist sehr teuer, weshalb sich das Verfahren erst ab Millionenauflagen lohnt. Wenn du ein Magazin in den Händen hältst, das fast wie ein Foto wirkt, ist es wahrscheinlich im Tiefdruck entstanden.

76. UV-Lack

UV-Lack ist eine flüssige Beschichtung, die unter intensiver Bestrahlung mit ultraviolettem Licht in Sekundenbruchteilen aushärtet. Er erzeugt eine extrem harte, glatte und hochglänzende Oberfläche, die fast wie Glas wirkt. Man nutzt ihn oft für „Spot Lackierungen“, um einzelne Elemente auf einem matten Hintergrund dramatisch hervorzuheben. Der Kontrast zwischen mattem Papier und spiegelndem UV Lack erzeugt eine enorme optische Spannung. Er ist zudem kratzfest und schützt das Produkt vor Feuchtigkeit. Ein Werkzeug für maximale Aufmerksamkeit und haptische Begeisterung.

77. Veredelung

Veredelung ist der Sammelbegriff für alle Techniken, die ein Druckprodukt über den reinen Farbauftrag hinaus aufwerten. Dazu gehören Lacke, Prägungen, Stanzungen, Folienkaschierungen oder auch Duftlacke. Eine gute Veredelung sollte niemals Selbstzweck sein, sondern die Botschaft der Marke unterstreichen. Sie macht aus einem einfachen Informationsmedium ein wertvolles Objekt, das man gerne behält. Im Zeitalter des digitalen Überflusses ist die Veredelung der entscheidende Faktor für die Response Rate bei Mailings. Sie spricht alle Sinne an, Sehen, Fühlen und manchmal sogar Riehen.

78. Verlauf

Ein Verlauf ist der kontinuierliche Übergang zwischen zwei oder mehr Farben oder Helligkeitswerten. In der digitalen Gestaltung sind Verläufe leicht zu erstellen, aber im Druck eine technische Herausforderung. Wenn der Raster zu grob ist oder die Farbtiefe nicht ausreicht, entstehen sichtbare Stufen („Banding“). Ein perfekter Verlauf erfordert ein hohes Maß an Kontrolle in der Druckvorstufe und eine präzise Abstimmung der Farben. Er wird oft genutzt, um Dreidimensionalität oder metallische Effekte wie Chrom oder Gold zu simulieren. Ein sanfter Verlauf ist ein Zeichen für technische Exzellenz in der Reproduktion.

79. Vierfarbdruck

Der Vierfarbdruck ist der Standard des modernen Farbdrucks und basiert auf den CMYK-Farben. Durch das Übereinanderdrucken winziger Rasterpunkte dieser vier Farben lässt sich ein riesiges Spektrum an sichtbaren Farbtönen erzeugen. Er ist die ökonomischste Art, farbige Fotos und Illustrationen realistisch wiederzugeben. Nahezu jede Zeitschrift, jedes Buch und jeder Flyer nutzt dieses Prinzip. Manchmal wird er um Sonderfarben ergänzt, um den Farbraum zu erweitern (zB. fünf Farb Druck). Er ist das universelle Farbsystem unserer modernen visuellen Kultur.

80. Vordruck

Ein Vordruck ist ein bereits professionell bedrucktes Papier, das für eine spätere Weiterverarbeitung in Bürogeräten vorgesehen ist. Der klassische Fall ist der Briefbogen: Das Firmenlogo und die Fußzeile werden im Offsetdruck in hoher Qualität vorproduziert. Später druckt der Kunde nur noch den aktuellen Text mit seinem Laser- oder Tintenstrahldrucker darauf. Dabei ist es wichtig, dass die Farben des Vordrucks hitzebeständig sind, damit sie im Laserdrucker nicht schmelzen. Ein Vordruck kombiniert professionelles Branding mit der Flexibilität des täglichen Büroalltags. Er ist ein wesentlicher Teil jeder professionellen Geschäftsausstattung.

Corporate Design & Identität

81. Bildsprache

Die Bildsprache ist die visuelle Grammatik einer Marke und legt fest, wie Fotos, Illustrationen und Grafiken beschaffen sein müssen, um zur Identität zu passen. Es geht dabei nicht nur um das Motiv, sondern um Lichtsetzung, Farbklima, Schärfentiefe und die emotionale Tonalität. Eine konsistente Bildsprache sorgt dafür, dass ein Betrachter ein Foto sofort deiner Marke zuordnet, noch bevor er ein Logo sieht. In einem professionellen Styleguide für Dreamcodes wird genau definiert, ob Bilder eher authentisch dokumentarisch oder hochglanz-inszeniert wirken sollen. Sie ist der stärkste emotionale Anker im gesamten Markenauftritt. Ohne eine klare Bildsprache wirkt jedes Design beliebig und austauschbar.

82. Brand Book

Ein Brand Book (oft auch Styleguide oder CI Handbuch genannt) ist die „Bibel“ einer Marke und dokumentiert alle gestalterischen und strategischen Regeln. Es enthält exakte Anweisungen zur Verwendung des Logos, der Hausschriften, der Farbpaletten und der Layout-Raster. Sinn eines Brand Books ist es, Wildwuchs im Design zu verhindern und eine hundertprozentige Wiedererkennbarkeit über alle Kanäle hinweg zu garantieren. Ob eine Agentur in New York oder ein Drucker in Berlin an deinen Unterlagen arbeitet, das Brand Book stellt sicher, dass das Ergebnis immer nach deiner Marke aussieht. Es ist das wichtigste Werkzeug für langfristige Markenstabilität. Ein gutes Brand Book ist modular aufgebaut und wächst mit den Anforderungen des Unternehmens mit.

83. Claim

Ein Claim ist das verbale Destillat deiner Markenversprechen und steht meist in enger visueller Verbindung zum Logo. Er soll kurz, prägnant und merkfähig sein, um die Kernbotschaft des Unternehmens in wenigen Worten auf den Punkt zu bringen. Im Printdesign muss die Platzierung des Claims genau definiert sein, damit er die visuelle Balance des Logos nicht stört. Ein guter Claim überdauert Jahre und wird Teil des kollektiven Gedächtnisses der Zielgruppe. Er gibt der visuellen Identität eine Stimme und eine Richtung. Während das Logo das Gesicht ist, ist der Claim das Versprechen, das dieses Gesicht gibt.

84. Corporate Identity (CI)

Die Corporate Identity ist das gesamte Selbstbild eines Unternehmens und umfasst weit mehr als nur das Aussehen. Sie setzt sich aus dem Corporate Design (visuell), dem Corporate Behavior (Verhalten) und der Corporate Communication (Sprache) zusammen. Die CI ist die strategische DNA, die festlegt, wer das Unternehmen ist, was es tut und wie es wahrgenommen werden möchte. Ein stimmiges Corporate Design ist lediglich der sichtbare Beweis für eine funktionierende Corporate Identity. Wenn die CI inkonsistent ist, wird auch das beste Design die Glaubwürdigkeit nicht retten können. Sie ist das Fundament, auf dem jede Form der Kommunikation aufbaut.

85. Hausschrift

Die Hausschrift (Corporate Type) ist eine exklusiv ausgewählte oder sogar eigens entworfene Schriftart, die den Charakter einer Marke maßgeblich prägt. Schrift transportiert Subtext: Eine Serifenschrift wirkt traditionell und vertrauenswürdig, eine serifenlose Grotesk modern und technisch. Die Wahl der Hausschrift beeinflusst nicht nur die Ästhetik, sondern auch die Lesbarkeit und die technische Kompatibilität über verschiedene Medien hinweg. Im Printdesign ist die Hausschrift das prägende Element, das Textmassen strukturiert und ihnen eine unverwechselbare Stimme verleiht. Oft werden zwei Schriften kombiniert, um Hierarchien zwischen Headlines und Fließtext zu schaffen. Sie ist die visuelle Stimme deiner Marke.

86. Key Visual

Ein Key Visual ist ein zentrales visuelles Element, oft eine Kombination aus Bild und Grafik, das die Kernbotschaft einer Kampagne oder Marke symbolisiert. Es dient als „Hingucker“ und sorgt für eine sofortige Wiedererkennung in einem überfluteten Werbeumfeld. Ein starkes Key Visual funktioniert auf einem riesigen Plakat genauso gut wie auf einer kleinen Visitenkarte. Es verdichtet komplexe Inhalte auf eine einzige, kraftvolle Aussage. Im Corporate Design wird das Key Visual oft über Jahre hinweg variiert, bleibt aber in seinem Kern identisch. Es ist das visuelle Anker-Motiv, das die Brücke zwischen der Marke und der aktuellen Botschaft schlägt.

87. Logo-Schutzraum

Der Logo-Schutzraum bezeichnet eine definierte Zone um das Logo herum, die von anderen Gestaltungselementen wie Texten, Bildern oder anderen Logos freizuhalten ist. Dieser Raum stellt sicher, dass das Logo seine volle Wirkung entfalten kann und nicht durch „visuelles Rauschen“ bedrängt wird. Meist wird die Größe des Schutzraums proportional zu einem Element des Logos (zB. der Breite eines Buchstabens) definiert. Wer den Schutzraum missachtet, riskiert, dass das Logo untergeht oder unprofessionell wirkt. In jedem Brand Book ist dieser Bereich exakt bemaßt. Er ist die „Privatsphäre“ deines Logos, die für Klarheit und Respekt sorgt.

88. Primärfarbe

Die Primärfarbe ist der dominante Farbton, der das Erscheinungsbild einer Marke prägt und sofort mit ihr assoziiert wird. Denke an das Gelb einer Post oder das Rot eines bekannten Limonadenherstellers, diese Farben sind so stark besetzt, dass sie allein schon die Marke repräsentieren. Im Corporate Design Manual werden für die Primärfarbe exakte Werte für CMYK, RGB, Pantone und Web (HEX) festgelegt. Oft wird sie durch Sekundärfarben ergänzt, um dem Design mehr Flexibilität zu geben. Die konsequente Verwendung der Primärfarbe ist das effektivste Mittel zur Steigerung des Wiedererkennungswerts. Sie ist die emotionale Grundierung deines gesamten Markenauftritts.

89. Typografie

Typografie ist die Kunst und Technik des Setzens von Schrift, um Sprache visuell erfassbar und ästhetisch ansprechend zu machen. Sie umfasst die Wahl der Schriftart, die Bestimmung von Zeilenabständen, Laufweiten und die hierarchische Gliederung von Informationen. Gute Typografie ist für den Laien unsichtbar, sorgt aber dafür, dass das Lesen mühelos gelingt und die Botschaft richtig verstanden wird. Sie entscheidet darüber, ob ein Text einladend oder abschreckend wirkt. Im Printdesign ist sie das wichtigste Handwerkzeug, um Ordnung in das Chaos der Informationen zu bringen. Typografie ist die Architektur der Information und das Herzstück jedes Corporate Designs.

90. Visual Identity

Die Visual Identity ist die Summe aller sichtbaren Elemente einer Marke, vom Logo über die Farben bis hin zur Gestaltung der Geschäftspapiere. Sie ist der Teil der Corporate Identity, den wir unmittelbar mit den Augen wahrnehmen können. Eine starke Visual Identity schafft Konsistenz über alle Kontaktpunkte hinweg, ob auf einem LKW-Aufdruck, einem Briefkopf oder einer Anzeige. Sie übersetzt abstrakte Markenwerte in eine konkrete ästhetische Form. Wenn die Visual Identity perfekt funktioniert, fühlt sich jedes Produkt und jedes Dokument des Unternehmens wie aus einem Guss an. Sie ist das Gesicht deines Unternehmens in der physischen und digitalen Welt.

Dreamcodes Redaktion
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