Alles, was du über Festplatten Verbünde wissen musst
Stell dir vor, du arbeitest an deinem wichtigsten Projekt, und plötzlich macht es Klick Klack. Deine Festplatte hat sich verabschiedet. In der Welt der IT ist das kein „Falls“, sondern ein „Wann“. Hier kommt RAID ins Spiel.
Wir schauen uns heute an, wie du aus einzelnen Laufwerken ein unschlagbares Team formst. Wir klären, warum RAID kein Backup ist, welcher Level für dich der richtige ist und warum „Fake RAID“ gefährlicher sein kann als gar kein RAID.
1. Was ist RAID eigentlich? (Die Basics)
RAID steht für Redundant Array of Independent Disks. Frei übersetzt: Eine redundante Anordnung unabhängiger Festplatten.
Die Idee dahinter ist simpel, aber genial: Anstatt eine einzige, riesige und teure Festplatte zu kaufen, koppelst du mehrere günstige Platten zu einem logischen Laufwerk zusammen. Dein Betriebssystem sieht nur eine einzige Partition, doch unter der Haube arbeiten mehrere Motoren gleichzeitig.
Warum macht man das?
- Ausfallsicherheit: Wenn eine Platte stirbt, übernehmen die anderen.
- Performance: Daten werden gleichzeitig von mehreren Platten gelesen/geschrieben.
- Kapazität: Du kannst Speicherplatz kombinieren, den eine einzelne Platte gar nicht bieten könnte.
2. Die goldene Regel: RAID ist KEIN Backup!
Bevor wir tief in die Technik eintauchen, müssen wir mit dem gefährlichsten Irrtum der IT Welt aufräumen. Ein RAID schützt dich vor Hardware Ausfällen.
Es schützt dich nicht vor:
- Versehentlichem Löschen.
- Viren oder Ransomware.
- Dateisystemfehlern.
- Einem brennenden Serverraum.
Wenn du eine Datei auf einem RAID 1 System (Spiegelung) löschst, wird sie blitzschnell auf beiden Platten gelöscht. Redundanz ist Verfügbarkeit, kein Datensicherungs-Archiv.
3. Die RAID Level: Welches Team brauchst du?
Die Art, wie die Platten zusammenarbeiten, nennt man „Level“. Hier sind die wichtigsten für dein nächstes Projekt:
RAID 0 – Der Adrenalin Junkie (Striping)
Daten werden in Streifen (Stripes) aufgeteilt und abwechselnd auf Platte A und B geschrieben.
- Vorteil: Unglaubliche Geschwindigkeit.
- Nachteil: Null Sicherheit. Fällt eine Platte aus, ist alles weg.
- Einsatz: Temporäre Dateien, Videoschnitt Cache, nichts Wichtiges!
RAID 1 – Der Sicherheitsbeauftragte (Mirroring)
Alles, was auf Platte A geschrieben wird, landet sofort identisch auf Platte B.
- Vorteil: Maximale Sicherheit. Eine Platte kann komplett abrauchen.
- Nachteil: Du zahlst für zwei Platten, kannst aber nur die Kapazität von einer nutzen (50% Verschnitt).
- Einsatz: Betriebssysteme, wichtige Datenbanken.
RAID 5 – Der Allrounder (Parität)
Ab drei Festplatten möglich. Die Daten werden verteilt, und zusätzlich werden mathematische Prüfsummen (Parität) berechnet.
- Vorteil: Guter Kompromiss aus Speed und Sicherheit. Nur die Kapazität einer Platte geht „verloren“.
- Nachteil: Der Rebuild (Wiederherstellung nach einem Tausch) dauert bei modernen 20TB Platten ewig und belastet die verbliebenen Platten massiv.
RAID 10 – Das Beste aus beiden Welten
Ein RAID 0 über zwei RAID 1 Systeme. Du brauchst mindestens 4 Platten.
- Vorteil: Extrem schnell und extrem sicher.
- Einsatz: High End Database Server.
4. Hardware vs. Software vs. Host RAID: Wo sitzt das Gehirn?
Das Hardware RAID (Der Profi-Ansatz)
Ein eigener Controller mit eigenem Prozessor und RAM übernimmt die Arbeit.
- Der Clou: Er hat oft eine BBU (Battery Backup Unit). Wenn der Strom ausfällt, schreibt der Controller die Daten aus seinem Cache noch fertig auf die Platte.
- Hersteller: Namen wie Broadcom (LSI), Adaptec oder Areca sind hier Gesetz.
Das Software RAID (Die flexible Lösung)
Dein Betriebssystem (Linux mdadm, Windows Storage Spaces oder ZFS) macht die Arbeit.
- Pro: Hardware unabhängig. Wenn dein Mainboard stirbt, steckst du die Platten in einen anderen PC und sie laufen sofort wieder.
- Contra: Belastet deine CPU (bei modernen Multicore-Prozessoren aber kaum noch spürbar).
Das Host RAID (Vorsicht: Die „Fake RAID“ Falle)
Oft auf günstigen Mainboards zu finden. Es sieht im BIOS aus wie ein RAID, braucht aber spezielle Treiber im Betriebssystem.
- Das Problem: Es verbindet die Nachteile von beidem. Stirbt das Board, sind die Daten oft schwer zu retten. Profis meiden das wie die Pest.
5. Tief im Maschinenraum: Datenintegrität und S.M.A.R.T.
Ein modernes RAID ist nur so schlau wie seine Fehlererkennung. Die meisten Systeme verlassen sich auf S.M.A.R.T. (Self Monitoring, Analysis and Reporting Technology) der Festplatten.
Das Problem der „Silent Data Corruption“: Manchmal kippt ein Bit auf der Platte einfach um, ohne dass die Platte einen Totalausfall meldet. Einfache RAID-Systeme merken das oft gar nicht. Moderne Dateisysteme wie ZFS oder BTRFS (oft als Software RAID implementiert) nutzen deshalb Prüfsummen für jeden einzelnen Block. Wenn ein Bit kippt, merkt das System: „Halt, das passt nicht zur Prüfsumme!“, und holt sich die korrekte Kopie von der redundanten Platte.
6. RAID im Rechenzentrum: Storage Area Networks (SAN)
In großen Umgebungen stehen die Festplatten nicht mehr im Server selbst. Sie stecken in riesigen Gehäusen (Disk Arrays) und werden über ein SAN oder NAS angebunden. Hier werden RAID Level oft abstrahiert, um ganze Serverräume gegen Feuer oder Wasserschäden abzusichern (Geo Redundanz).
Fazit: Welches RAID ist für dich?
- Du willst Speed für Games und hast Backups? -> RAID 0.
- Du hast einen Home Server mit Fotos? -> RAID 1 oder ZFS Mirror.
- Du baust ein großes Archiv? -> RAID 6 (wegen der doppelten Sicherheit).
- Du bist ein Dreamcode Poweruser? -> RAID 10.
Checkliste für deinen Start:
- Hast du ein Backup Konzept? (Wenn nein: Erst das, dann RAID!)
- Hast du identische Festplatten? (Gleiche Größe und Geschwindigkeit sind Pflicht!)
- Ist dein Netzteil stark genug für den Spin up vieler Platten gleichzeitig?
